LuxusInsider im Gespräch

Graham Sadler, Managing Director EMEA Regent Seven Seas Cruises

Die Menschen sind das Verschieben ihrer Pläne leid – davon ist Graham Sadler überzeugt. Seiner Ansicht nach spielt das Kreuzfahrt-Anbietern in die Hände: Viele Kunden möchten nun endlich ihre lang gehegten Bucket-List-Ziele abhaken. Und wie ginge das besser als mit einer Kreuzfahrt, bei der man diverse Ziele auf einer einzigen Reise erleben kann? Ein Mut machendes Gespräch mit einem positiven, enthusiastischen Touristik-Experten.

LuxusInsider: Niemand weiß, wann genau es endlich soweit sein wird, aber die gesamte Branche sehnt den weltweiten Restart des Kreuzfahrttourismus herbei. Wie bereitet sich Regent Seven Seas Cruises darauf vor?

Graham Sadler: Es tut gut zu sehen, dass viele Kreuzfahrt-Anbieter jetzt Ankündigungen zum Restart machen. Bei Regent möchten wir nichts überstürzen und konzentrieren uns darauf, unsere Rückkehr gründlich vorzubereiten. Momentan fahren wir zwar nicht zur See, aber das Unternehmen ist hinter den Kulissen höchst aktiv: Wir arbeiten intensiv mit unserem Healthy Sail Panel zusammen, um die Sicherheit der Gäste, Crews und der Orte, an denen wir anlegen, zu gewährleisten. In der Zwischenzeit pflegen wir einen engen Austausch mit Reisebüros und Kunden, etwa mit der Kampagne 'The Heart of What We Do'. Sie besteht aus sehr persönlichen Videos von Crew-Mitgliedern und soll die Kunden zum Träumen über ihre nächste Kreuzfahrt anregen.

LuxusInsider: Was wird Ihrer Meinung nach die größte Herausforderung sein, wenn das Kreuzfahrt-Geschäft wieder an Fahrt aufnimmt­?

Sadler: Ob Sie es glauben oder nicht: Die größte Herausforderung wird es sein, der Nachfrage gerecht zu werden. Vorbehalte zum Thema Reisen dürften sich bis dahin vollständig gelegt haben – statt dessen wird es einen Run auf Kreuzfahrten geben, sobald sich die aufgestaute Nachfrage Bahn bricht. Kreuzfahrten waren immer die sicherste Form des Reisens, und das werden sie auch weiterhin sein. Die Menschen sehnen sich danach, wieder zu reisen. Wir erleben schon jetzt eine hohe Nachfrage nach Kreuzfahrten – insbesondere Wiederholer möchten endlich wieder an Bord gehen können. Unsere Weltreise etwa füllt sich rasend schnell: Da nehmen sich Menschen 140 Tage Zeit, weil sie endlich so viel wie irgend möglich von der Welt sehen möchten. Wenn es wirklich eines Beweises bedarf, dass die Reiselust vorhanden ist – dies ist er.

LuxusInsider: Wie sieht es aktuell mit dem deutschsprachigen Markt aus?

Sadler: Den deutschen Markt hat es ein bisschen härter getroffen. 2020 war die Nachfrage gering, aber seit den vergangenen drei Monaten verzeichnen wir wieder einen Anstieg. Die Menschen scheinen die aktuelle Situation satt zu haben. Und ihnen ist klar, dass das Reisen irgendwann wieder möglich sein wird, also schaffen sie sich jetzt etwas, worauf sie sich freuen können. Deutsche Gäste verstehen, was Luxus bedeutet – und sie verstehen, dass Platz dabei eine Schlüsselrolle spielt. Und das ist einer der zentralen Faktoren bei Regent: viel Platz für den einzelnen Gast.

LuxusInsider: Regent Seven Seas Cruises hat erst kürzlich die kostenlosen Landprogramme für ausgewählte Reisen ausgebaut. Hat dieser Schritt die Nachfrage spürbar angekurbelt?

Sadler: Ja, definitiv. Unser Produkt zieht ja genau die Art von Reisenden an, die sich als Entdecker betrachten und Abenteuer erleben möchten. Und drei kostenlose Nächte vor der Kreuzfahrt sowie drei Nächte im Anschluss, das ist schon ein attraktives Angebot. Daher war diese Aktion sehr erfolgreich.

LuxusInsider: Welche Rolle spielen Reisebüros in der Vertriebsstrategie von Regent?

Sadler: Reiseverkäufer spielen in allen Märkten eine entscheidende Rolle für uns. Insbesondere ist dies aber im deutschsprachigen Markt der Fall, der zu unseren fünf wichtigsten Quellmärkten zählt. Die Reiseberater können potenziellen Kunden unser Produkt genau erklären und unsere Markenwerte transportieren. Wir unterstützen die Vertriebspartner, kürzlich etwa mit der Möglichkeit, individuelle Online-Events für ihre Kunden zu erstellen.

LuxusInsider: Vor der Pandemie wurde ein neues Schiff nach dem nächsten in den Markt geworfen. Hat die Corona-Krise diesen Trend beendet?

Sadler: Diese Frage kann ich natürlich nur für das Unternehmen NCL Holding beantworten: Unsere Neubauten kommen alle wie geplant, sowohl Regent als auch Norwegian und Oceania erhalten in den kommenden Jahren neue Schiffe. Die Kreuzfahrtindustrie ist durch schwere Zeiten gegangen, aber sie wird gestärkt daraus hervorgehen, davon bin ich überzeugt.

LuxusInsider: Gerade im Luxussegment sind ja besonders kleine Schiffe mit bis zu 500 Passagieren beliebt. Was bedeutet das für Regent?

Sadler: Ein kleines Schiff zu haben bedeutet ja nicht zwangsläufig, dass man den Passagieren auch mehr Platz bieten kann. Genau das ist aber unsere Stärke: Mit unseren mittelgroßen Schiffen, die eine maximale Kapazität für 490 bis 750 Gäste haben, können wir das Kernbedürfnis nach Platz erfüllen. Und darüber hinaus noch etwas bieten, was ebenfalls unbedingt zum Luxus dazu gehört: Auswahl. An Bord unserer Schiffe gibt es zum Beispiel bis zu sechs Restaurants, unter denen die Gäste wählen können. Auch das ist Luxus.

LuxusInsider: Welche dauerhaften Veränderungen sehen Sie nach der Pandemie auf das Kreuzfahrt-Business allgemein zukommen?

Sadler: Kreuzfahrten haben sich schon immer gewandelt ­– eine Kreuzfahrt sah vor 20 Jahren ganz anders aus als heute. Kreuzfahrten werden beständig angepasst und verbessert, das reicht von neuen Technologien bis hin zu höheren Sicherheitsstandards. Jetzt sind es eben neue Lüftungssysteme und veränderte Check-in Abläufe, auf die wir uns einstellen. Und bei allem, was da kommt, haben wir großes Vertrauen in den DACH-Markt: Dieser ist in den vergangenen zehn Jahren stark gewachsen, und er wird weiterwachsen. Diese Gäste wissen Luxus zu schätzen und sie werden eine wichtige Rolle bei der Weiterentwicklung von Regent Seven Seas Cruises spielen.

Das Gespräch führte Iris M. Köpke