Ausprobiert: Numo Ierapetra, Kreta


Gerade einmal vierzehn Tage geöffnet hat das kleine Barfuß-Chic-Resort Numo Ierapetra im touristisch weniger erschlossenen Süden Kretas. Hier reiht sich nicht wie andernorts auf der Insel Hotel an Hotel, und die Gastgeber legen großen Wert darauf, die kretische Kultur, lokale Küche und die Farben der Region zu präsentieren. Das Konzept zum Wohlfühlen ist auf jeden Fall gut durchdacht!

Ein Erlebnisbericht von LuxusInsider Director of Business Development Melanie Haaß

Die Lage

In den letzten Wochen war ich mehrmals sowohl privat als auch beruflich in Griechenland und bisher immer sehr positiv überrascht davon, wie streng sich die sonst ja eher entspannten Griechen an die Kontrollen sämtlicher Einreisepapiere gehalten haben. Umso verwunderter bin ich, dass ich diesmal vom Kofferband aus ohne jederlei Kontrolle einfach aus dem Airport rauslaufen kann. Man vertraut hier wohl auf die zuvor stattfindenden Checks durch die Airlines.

Vorbei geht die eineinhalbstündige Limousinen-Fahrt an den Bettenburgen der Nordküste Richtung Osten und hinter Agios Nikolaos durch die sogenannte Wespentaille Kretas zum Resort. Mit viel Wasser und Saft an Bord, was man bei derzeit über 40 Grad auch braucht – und einem praktischen Gimmick nach knapp drei Stunden mobilem Arbeiten im Flieger: einer Powerbank mit allerlei Anschlußmöglichkeiten. I like!

Beim Betreten des Numo Ierapetra dominieren schon auf den ersten Blick Naturmaterialien und Farben, wie sie auch später im gesamten Resort wieder zu finden sind. Die Rezeption ist freundlich und luftig konzipiert – herrlich wie der Wind durch die Lobby (Foto) weht! Fühlt sich nur leider bei den derzeitigen Temperaturen eher an wie ein Haartrocker… !

Das Resort

Das "adults friendly" Resort ist aufgeteilt auf 17 einzelne Gebäude mit maximal zwei Etagen, womit der Eindruck eines kleinen, entspannten Resorts perfekt zum Konzept passt. Aktuell sind etwa 70 Prozent der geplanten 132 Zimmer und Suiten bezugsbereit.

Das Herz der Anlage ist der Poolbereich zwischen dem All-Day-Restaurant Tamarisk, dem Kreta-typischen dunklen Kiesstrand und der Bar mit Loungebereich.

Noch fehlt es an einigen Materialien, die aus Covid-Gründen im Zoll hängen, aber an jedem meiner drei Tage vor Ort kann ich Neues entdecken und eine Entwicklung in kleinen Schritten erkennen. So sollen zum Beispiel die Cabanas für den Strand und den Pool bis Mitte August geliefert werden. Momentan begnüge ich mich mit gemütlichen Strandliegen in corona-konformem Vier-Meter-Abstand und Sonnenschirmen, die ab dem zweiten Tag nicht aufgebaut werden können, weil sie dem kräftigen Wind nicht trotzen würden.

Die Zimmer & Suiten

Managing Director Spyros Kouris meint es gut mit mir und gibt mir eine Junior Suite mit Terrasse. Dabei sind die Evergreen-Zimmer nach der Erkenntnis meiner Site Inspection mindestens genauso schön, weil sie sehr offen geschnitten und wunderbar hell gestaltet sind.

Schnell zeigt sich, dass es in den Junior Suiten noch an einigen leicht justierbaren Kleinigkeiten fehlt, etwa dem Ganzkörper-Spiegel (der in den Deluxe-Zimmern vorhanden ist). Es gibt eine Kaffeemaschine und Kapseln, aber weder Zucker noch Milch. Letztes stört mich überhaupt nicht, da ich die Kaffeesahne in kleinen Päckchen ohnehin nicht mag und daher meinen üblichen persönlichen "Milch-Test" starte. Im Nullkommanichts bekomme ich ein Kännchen frische Milch für den Kühlschrank gebracht. Perfekt! Leider erweist sich der Service nicht immer als so aufmerksam, und am zweiten Abend stehen noch immer die schmutzigen Gläser vom Ankunftstag auf dem Schrank. Was ich auch vermisse, ist das Auffüllen des Wassers in der Minibar. Aber zum Glück gibt es direkt an der Ausfahrt des Hotels einen Minimarkt, und die große Früchteplatte samt Weißweinflasche vom Ankunftstag entschädigen ohnehin für Vieles.

Das Dekor ist reduziert, dezent und natürlich. Mir gefällt dieses nicht so überladene Interior Design, ich frage mich aber, ob zwei der Deko-Gegenstände Kerzenständer ohne Kerzen oder Blumenvasen ohne Blumen sind – man weiß es nicht.

Meine Junior Suite mit großer Terrasse eignet sich perfekt für eine kleine Familie mit Kind oder für drei Erwachsene, da der Wohnbereich hier fast ein eigenes Zimmer ist. In anderen Suiten ist er jedoch eher die Verlängerung des Schlafbereichs, darauf sollte man beim Buchen achten und gegebenenfalls nachfragen! Wie im gesamten Resort dominieren hier beruhigende zartgrüne und beige Natur-Töne.

Die Evergreen Deluxe-Zimmer mit ihrem offenen Bad sind luftig und sehr gemütlich. Diese Zimmerkategorie gefällt mir persönlich von der Aufteilung her sogar noch ein bisschen besser. Kleiner Tipp für die Buchung eines Evergreen-Deluxe-Zimmers mit Terrasse: Zimmernummern 2006 und 2007 vermeiden, denn die blicken auf die Wand des gegenüberliegenden Gebäudes.

Die Top-Kategorien

Villen gibt es im Resort zwar keine, aber dafür für ein Fünf-Sterne-Haus angenehm erschwingliche und große Suiten für bis zu vier Erwachsene mit zwei Schlafzimmern. Diese sind wahlweise mit Balkon oder mit Terrasse samt eigenem Pool zu buchen. Die Top-Kategorie wird künftig die Evergreen Absolute Suite sein. Anschauen konnte ich mir bei meinem Aufenthalt leider keine, da die bereits fertigen Suiten momentan alle gebucht sind – Griechenland boomt! Bis Ende August sollen jedoch alle Zimmer fertig sein.

Die Kulinarik

Die Küche des Numo Ierapetra hebt lokale Produkte durch ein Farm-to-Table-Konzept hervor und wird von Konstantina Voulgari geleitet, Finalistin des Wettbewerbs "San Pellegrino Young Chef of the Year". Mit ihrem Team will sie hier traditionelle Küche kredenzen, mit frischen lokalen Zutaten wie bei Mama – und keine Haute Cuisine.

Zum Zeitpunkt meiner Reise ist erst ein einziges Restaurant geöffnet, Hotelchef Spyros betont jedoch, dass bereits am kommendem Wochenende das zweite Restaurant Menoa durchstartet. Hinzu kommt, dass man die Gäste ohnehin mit vielen Tipps der Ortskennerin und Guest Relation Managerin Marita Kokkinaki ermutigt, auch die lokalen Tavernen zu besuchen.

Im Tamarisk, dem Hauptrestaurant mit Innen- und Außenbereich, nimmt man aktuell vom Frühstück bis zum Dinner sämtliche Mahlzeiten ein. Das Frühstück ist allerdings noch nicht ganz auf Fünf-Sterne-Niveau. Für mich zum Beispiel unverständlich, dass man hier auf einer griechischen Insel und beim Hauptexporteuer von Orangen keinen frisch-gepressten Saft selbiger Frucht bekommen. Tagsüber gibt es im Tamarisk kleine, leckere Pool-Snacks, abends für Halbpensionsgäste ein sehr umfangreiches Vier-Gänge-Menü, das vom herzlichen Service auch gern ein wenig individualisiert wird. Alternativ kann man sich durch das prall mit Fisch und Meeresfrüchten bestückte A-la-carte-Menü probieren.

Greifbare kulinarische Zukunftsmusik sind das Restaurant Menoa, das sich auf zeitgenössische kretische Küche mit Schwerpunkt auf feinem Fleisch spezialisiert hat, sowie ein traditionelles Meze/Deli Kafenè, in dem Gäste Köstlichkeiten von lokalen Erzeugern probieren und erwerben können. Ebenfalls für die nahe Zukunft geplant: eine Degustations-Ecke und Kochkurse sowie verschiedenen Verkostungen.

Die Pool-Bar und Lounge ist ein toller Platz für frühabendliche Sundowner. Aufgrund der geltenden Covid-Regeln stehen allerdings keine Barstühle parat, und der DJ darf nur sehr gedämpft spielen. Mit anderen Worten: Es ist weit entfernt von lautem Halligalli und angenehm chillig rund um die Bar.

Das Spa

Das Etherea Spa ist nicht riesig und nicht der Schwerpunkt des Resorts, aber mein Treatment ist der Wahnsinn! Ich glaube, beim Facial habe ich sogar das erste Mal seit vielen Jahren wie ein Baby geschlafen – ich hoffe nur, ohne dabei zu schnarchen…

Die Treatment Rooms sind im angenehm kühlen Untergeschoss des Lobby-Gebäudes. Ich genieße es, der stürmischen Hitze draußen zu entkommen. Und noch mehr genieße ich die Deep Tissue Massage. Katzenhaft bewegt sich ein zartes Wesen um meine Massagebank und ich wundere mich, wie sie eine Stunde lang so viel Kraft aufwenden kann. Mein reisegeplagter Rücken ist begeistert und kann den Druck sehr gut vertragen. Und ich finde es super, dass sie eine leichte Creme verwendet und keine Ölschlacht aus der Behandlung macht. Bei der Kopfmassage denke ich wieder an eine Katze, weil ich beinahe zu schnurren beginne. Und beim anschließenden Facial bereue ich die Katzenwäsche, die ich meinem Gesicht normalerweise nur gönne und fühle mich anschließend frisch und strahlend wie junges Miezchen!

Die Ausflüge

Auch bei den Aktivitäten legen die Gastgeber viel Wert darauf, die kretische Kultur zu präsentieren ­– gern auch in moderner Interpretation. Entsprechend hat sich das Hotel etwas ganz Besonderes für mich überlegt: einen Besuch bei Bioaroma. Hier werden mehr als 100 kretische Pflanzen angebaut, die in der eigenen Destillerie anschaulich verarbeitet werden zu Ölen für Kosmetika und im eigenen Parfüm-Labor neuen Kreationen dienen. Nach einem kurzen Rundgang starte ich meinen Parfüm-Workshop mit Inhaberin und Parfümeurin Poppy, und wir entwickeln gemeinsam meinen ganz speziellen Duft. Sie stellt mehrere Fragen, die sich später in meinem persönlichen Parfüm widerspiegeln. Das Resultat ist ein Mix aus classy und elegant, die Duftausrichtung etwas zwischen "lightly floral" und "woody". Okay, damit kann ich sehr gut leben!

Anschließend darf ich mir munter Düfte für Basis-, Herz- und Kopfnote aussuchen. Poppy fächert diese mit mir zusammen auf, verschiebt Nuancen rauf und runter – und siehe da, ich habe meine wundervolle Erinnerung an diese Reise zum mit nach Hause nehmen. Grandios!

Anschließend steht laut Plan eigentlich ein Besuch im Bergdorf Kritsa auf dem Programm. Doch mein deutschsprachiger Privatguide Angela, die seit 35 Jahren in dieser Region lebt, folgt klugerweise der Empfehlung der griechischen Regierung und der Notfallwarnung, die heute morgen alle auf Kreta (inklusive mir) auf ihr Handy bekommen haben: Aufgrund der extremen Hitze ist jegliche Anstrengung im Freien zu vermeiden. Kurzerhand entscheiden wir uns gemeinsam, einfach nur einen entspannten Lunch mit Meeresbrise zu genießen und fahren dafür in den malerischen Fischerort Mohlos zu einer wundervollen griechischen Taverne mit wenig Touristen und vielen Kretern. Passend zum kurzfristig offiziell erklärten Hitze-Feiertag sagen wir: Kali orexi & yamas!

Der Service

Für Service des Hotels vergebe ich gern reichlich Punkte. Denn bis auf das Malheur mit dem schmutzigen Geschirr im Zimmer ist das Team sehr auf zack und jederzeit freundlich und herzlich. Kaum liege ich auf der Strandliege und will brav arbeiten, merke ich, dass mir der persönlich WiFi-Barcode fehlt und rufe faul die Rezeption an. Die bringen mir den Code doch glatt an den Strand! Und dann ist der WiFi-Empfang da unten dann auch noch super. Klasse, so kann ich arbeiten! Damit gleicht das Team schnell das aus, was im Resort noch nicht so rund läuft.

Am eindrucksvollsten war für mich das Engagement der Sommeliers des Hauses. Bisher war ich griechischen Weinen gegenüber ehrlich gesagt sehr skeptisch, aber er hat dieses Vorurteil mit seinen tollen Empfehlungen zunichte gemacht. Allen voran ein Rotwein der griechischen Rebe Xinomavro – ähnlich einem Pinot Noir – von Markos Markovitis, einem jungen, wilden Winzer in dritter Generation mit einem Weingut bei Thessaloniki und Vorreiter in Sachen griechischer Bio-Weine.

Blick in die Zukunft

Die Fertigstellung des Resorts naht mit Riesenschritten: Ebenfalls in den nächsten Tagen starten sollen die Boutique und das Open-Air-Kino mit seinem zweiwöchigen Programm-Rhythmus. Schade, das hätte ich auch gern ausprobiert, denn Business Development Managerin Maria Fthenou macht mir mit ihren Erzählungen richtig Lust auf Filme, die griechische Traditionen und modernen Alltag spiegeln sollen! Der Film "Zimt & Koriander" rund um den griechischen Astrophysiker Fanis und seine Reise in seine alte Heimat Istanbul steht jetzt auf jeden Fall auf meiner Watchlist.

Fazit

Es ist definitiv noch ein bisschen was zu tun im Numo Ierapetra, bis das Angebot rund und komplett ist. Vielleicht hätte es dem Resort gut getan, die Eröffnung noch ein wenig zu verschieben, um die anfänglichen Stolpersteine erst einmal auszuräumen. Verdient hat das Haus eine Chance allemal, ein hoch anspruchsvoller Luxuskunde sollte aber bis zum (klimatisch ohnehin angenehmeren) September warten. Gute Verkaufsargumente sind der aktuell covid-bedingte günstige Preis und die unglaubliche Mühe, die sich alle im Service geben. Und Guest Relation Managerin Marita hat mir einen neuen griechischen Begriff beigebracht: Meraki. Das steht für Passion und Leidenschaft und trifft sowohl auf das gesamte Team des Numo Ierapetra Resort & Spa als auch auf Poppy von Bioaroma zu.

Kontakt für Reise-Profis: Gerd Alex, IDME Aviation & Tourism