Branchenblick

Four Beyond Ordinary schaffen neue Wege

Agenturen direkt mit den Anbietern zusammenbringen –­ das war die Kernidee der Bewegung Four Beyond Ordinary (LuxusInsider berichtete in Ausgabe 3/20). Das Ganze hat sich mittlerweile kräftig weiterentwickelt: Und obwohl der Weg, den Four Beyond Ordinary nun eingeschlagen hat, kein ganz neuer ist, dürfte er in der Branche für Gesprächsstoff sorgen. Erleben wir hier gerade eine kleine, feine Revolution?


von Iris M. Köpke

Ihrer Grundidee sind sie treu geblieben: Schon seit der Gründung im Frühjahr 2020 ging es Katharina Herbst, Nataša Manić und Tracy Neureuther (von links im Foto unten) mit ihrer Initiative Four Beyond Ordinary darum, Reiseverkäufer und Anbieter so zusammenzubringen, dass beide Seiten davon deutlich mehr profitieren, als es in den vergangenen Jahren oft der Fall war. Mittlerweile ist Gründungsmitglied Dominique Liggins aus privaten Gründen ausgeschieden, dafür ist der neue "vierte Mann" gleich siebzehnfach so stark: 17 namhafte Reisebüros, Luxus-Spezialveranstalter und Travel Concierges haben sich Four Beyond Ordinary als Gründungscommunity angeschlossen.

Sie waren es auch, die die neuen Impulse gegeben haben. Denn bei der Erörterung der Kernfrage "Was genau braucht Ihr denn?" lief es immer wieder auf eines heraus: einen Buchungsweg. Ja, sie kennen die kleinen Perlen und Hidden Gems der Luxustouristik. Ja, sie haben oft auch schon einen persönlichen Kontakt dorthin. Doch wenn es ans tatsächliche Buchen ging, war der Weg oft holprig. Die großen Veranstalter hatten die kleinen Häuser meist gar nicht im Programm, die Konditionen bei Reisebüro-Kooperationen und DMCs sind nicht immer sexy und bei Direktbuchung sind in der Regel auch nur zehn Prozent Provision drin ­– nicht auskömmlich für Reiseberater in diesem aufwendigen, von "Handarbeit" geprägtem Segment.

Bei den Hoteliers herrscht in vielen Fällen ebenfalls Unzufriedenheit. Auch sie möchten kein "Stückwerk" mit Myriaden von Einzelverträgen mit Agenturen wer soll da noch den Überblick behalten? Sich bei großen Veranstaltern in die Kataloge einzukaufen, empfinden mehr und mehr von ihnen als oldschool und ineffizient. Dennoch wünschen sie sich eine Möglichkeit, die Zusammenarbeit mit dem Vertrieb fruchtbarer zu gestalten und in erster Linie die Agenturen zu unterstützen, die wirklich Buchungen bringen. Diese beiderseitige Unzufriedenheit schwelt schon länger, doch die Corona-Krise hat die Schwächen des deutschen Marktes noch einmal gnadenlos ins Rampenlicht gezerrt: Unsere Wertschöpfungskette ist sehr, sehr lang. Und das bei Mini-Margen. Andere Länder bekommen das besser hin…

"Wir wollen den Markt nicht revolutionieren", betont Nataša Manic, Sprecherin der Initiative. "Wir sind einfach nur drei Herzblut-Touristiker mit einer coolen Community, die über den eigenen Tellerrand schauen." Gemeinsam möchte man neue Wege beschreiten, und scheut sich dabei auch nicht, das eigene Konzept immer wieder zu hinterfragen. "Eigentlich wollten wir uns nie um Buchungswege kümmern, aber ganz offensichtlich liegt da der größte Bedarf", so Manic. Entsprechend will die Initiative nun eine digitale Business-Plattform ins Leben rufen, auf der sich kuratierte Agenturen und Leistungsträger begegnen können.

Die wichtigste Message dabei: Es handelt sich nicht um eine Buchungsplattform ­– die technische Abwicklung einer Buchung soll und wird hier nicht stattfinden. Stattdessen sollen die Agenturen hier auf einfache Art und Weise Kontakt mit den Anbietern der kleinen Luxusperlen aufnehmen können, etwa über ein Online-Formular. Die Travel Agents haben den Vorteil, dass jeder hier vertretene Leistungsträger der gesamten Gruppe bestimmte Vorzugskonditionen gewährt. Dabei geht es ganz explizit nicht um Nettoverträge, sondern um bessere Konditionen als magere zehn Prozent Provision, denen man dann ein halbes Jahr lang nachjagen muss. Umgekehrt können sich die Anbieter ganz sicher sein, hier nur auf Reiseverkäufer zu treffen, die auch wirklich das Potenzial haben, ihr hochpreisiges Produkt zu verkaufen. Und: Es kann genau getrackt werden, wieviele Anfragen tatsächlich gestellt werden.

Nach dem aktuellen Stand steht die Architektur der Business-Plattform, mit dem Programmieren wurde allerdings noch nicht begonnen. Die Reiseberater haben bereits ihre Wunschhotels zusammengetragen und stürzen sich gerade mit Feuereifer auf die Akquise der Partner. "Da sind bekannte und weniger bekannte Namen dabei", so Manic. "Wir wollen nicht die 'Üblichen Verdächtigen', die man ohnehin auf allen Buchungskanälen sieht. Davon wird es selektiv für bestimmte Destinationen auch ein paar Zugpferde geben, aber die Mehrheit sollen Hotels sein, an die man hierzulande nur schwer rankommt."

Sie fasst zusammen: "Das ist nichts, was wir uns ausgedacht haben – das ist das, was der Markt fordert. Wir haben schon viel positives Feedback von Seiten der Hoteliers bekommen." Sie verweist auf den österreichischen Markt, wo mit "Wir sind Reisen" aktuell eine ganz ähnliche Initiative durchstartet. Übrigens: Der Antrieb der Agenturen ist nicht nur rein finanzieller Natur: Auch der Wunsch, von den Leistungsträgern betreut zu werden wie ein Kunde und nicht nur wie eine Randnotiz, bewegt viele der Teilnehmer diesseits und jenseits der Grenze zu diesem Schritt.

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