Nature & Wildlife

Zu Besuch bei den Letzten ihrer Art

Einmal im Leben Auge in Auge mit einem Berggorilla stehen. Sich Hals über Kopf in verstrubbelte Orang-Utan-Babys verlieben, die sich fest an ihre Mutter klammern, aber dennoch neugierig herüberlugen. Oder die mächtigen Pranken eines hungrigen Eisbären ehrfürchtig aus nächster Nähe bestaunen: Viele Luxusreisende haben Begegnungen mit bestimmten Tierarten weit oben auf ihrer Bucket List platziert. Seltene odere vom Aussterben bedrohte Arten stehen dabei besonders hoch im Kurs, sind sie doch quasi die "Limited Editions" der Natur. Folgen Sie uns auf eine Stippvisite zu den Letzten Vertretern ihrer Art – solange es noch möglich ist …

Nature & Wildlife

Zu Besuch bei den Letzten ihrer Art

Einmal im Leben Auge in Auge mit einem Berggorilla stehen. Sich Hals über Kopf in verstrubbelte Orang-Utan-Babys verlieben, die sich fest an ihre Mutter klammern, aber dennoch neugierig herüberlugen. Oder die mächtigen Pranken eines hungrigen Eisbären ehrfürchtig aus nächster Nähe bestaunen: Viele Luxusreisende haben Begegnungen mit bestimmten Tierarten weit oben auf ihrer Bucket List platziert. Seltene odere vom Aussterben bedrohte Arten stehen dabei besonders hoch im Kurs, sind sie doch quasi die "Limited Editions" der Natur. Folgen Sie uns auf eine Stippvisite zu den Letzten Vertretern ihrer Art – solange es noch möglich ist …

REISETIPPS

Königstiger, Indien

Man braucht scharfe Augen und eine ordentliche Portion Glück: Tiger sind dank ihres Streifen-Looks im Unterholz nicht nur perfekt getarnt, sie sind auch extrem selten. Mit gerade mal 2.000 bis 3.000 Exemplaren in freier Wildbahn steht Panthera Tigris auf der Roten Liste der gefährdeten Arten, die von der Weltnaturschutzunion IUCN geführt wird. Einen Ort, an dem man die majestätischen Raubkatzen entdecken kann, ist der Pench-Nationalpark im indischen Bundesstaat Madhya Pradesh. Hierhin führt etwa die 17-tägige Rundreise "Indiens wilder Norden" des Spezialveranstalters Travel-to-Nature, die auch als geführte Privatreise angeboten wird. Danach geht's ins Tiger-Schutzgebiet im Kanha-Nationalpark, wo viel Zeit für ausgiebige Tierbeobachtungen eingeplant ist. Weitere Chancen auf ein Date mit dem Königstiger haben Gäste im Bandhavgarh-Nationalpark und im Panna-Nationalpark. Wen man auf dieser Reise sonst noch so trifft? Leoparden, Lippenbären, Flussdelfine und die urzeitlichen Gangesgaviale. Kontakt für Reise-Profis: Indien--Experte Paul Stoll, Travel-to-Nature

Galapagos-Pinguine, Galapagos-Inseln

Für manche Menschen watschelt das Glück: Sie geraten bei den putzigen Bewegungen von Pinguinen in Verzückung. Doch die kleinen Frackträger haben es in der heutigen Welt nicht immer leicht. Etwa der Galapagos-Pinguin, der zu den Brillenpinguinen zählt. Er kommt ausschließlich auf den Galapagos-Inseln vor und ist mit rund 1.200 Individuen die seltenste Pinguinart der Welt. Auch er hat es auf die Rote Liste "geschafft" und ist vom Aussterben bedroht. Also nichts wie hin ­– schließlich ist das Archipel im Pazifischen Ozean generell ein El Dorado für Tier-Fans. Und: Ende 2020 wurde auf der Insel Isabela sogar ein komplett weißer Pinguin entdeckt ­– ein seltener Gendefekt. Der Berliner Luxusreise-Spezialist Select Luxury Travel hat die Kombi-Reise "Galapagos & Anden Deluxe" im Portfolio, bei der das koloniale Quito und das legendäre Machu Picchu mit einer neuntägigen Galapagos-Expeditionskreuzfahrt kombiniert werden. Aber nicht mit irgendeiner: Die Gäste suchen sich ihre Yacht für die Tour selbst aus. Beliebt ist die Edel-Yacht La Pinta (Foto) mit geräumigen Kabinen, privaten Badezimmern, Gourmetküche und einer großen Auswahl an Aktivitäten. Kontakt: Geschäftsführer Dirk Gowin, Select Luxury Travel

Oh. Mein. Gott. Ist der süß! Mit neugierigen Knopfaugen lugt das verwuschelte Orang-Utan-Baby zu den Besuchern herüber. Ganz fest klammert es sich an einen Ast, Mama bleibt immer in der Nähe. Ginge es nach dem "Haarstyle" von Mutter und Kind, würde man vermuten, dass beide gerade erst aufgestanden sind. Es juckt in den Fingern, einfach mal durch das rötlich-braune Fell zu streicheln, aber wie auf allen Tierreisen gilt: Nur gucken, nicht anfassen. Der endemische Borneo-Orang-Utan gilt als vom Aussterben bedroht, niemand kann aktuell die Zahl der noch frei lebenden Tiere benennen. Manche Experten gehen von 44.000 Tieren aus, andere schätzen, dass es nur noch 15.000 Exemplare gibt. Fest steht: Man kann sich kaum an ihnen stattsehen. Bei einem Besuch des Rehabilitationszentrums Semenggok, in dem kranke Tiere gepflegt und auf die Auswilderung vorbereitet werden, kommt man den sanften Menschenaffen ganz nah. Gleiches gilt für das Orang-Utan-Reservat Sepilok, in dem man an der Fütterung der Tiere teilnehmen kann. Beide Stationen sind Teil der Rundreise "Naturwunder Borneo" von Windrose Finest Travel, die außerdem zu Nasenaffen, Malaienbären und Zwergelefanten führt. Kontakt: Windrose-Produktteam Asien, Telefon +49 30 201721-33

Glattwale, Südafrika

Ob mit oder ohne Hut, ist völlig egal: Neben einem Wal fühlt man sich sooo klein. Auszuprobieren etwa bei einer Kajak-Tour vor der Küste Neufundlands, wo die Meeresgiganten manchmal neugierig direkt unterhalb des Kajaks verharren und den Paddler mit ihren tellergroßen Augen bestaunen. Schluck… Wer die ganz seltenen Walarten erleben möchte, muss allerdings in wärmere Gefilde aufbrechen: Vom Glattwal schwimmen nur noch 250 Exemplare durch die Weltmeere. Sie von Land aus zu beobachten oder ihnen auf einer Bootsfahrt näher zu kommen, ist ein Spektakel. Das geht zum Beispiel mit der Rundreise "Royales Südafrika" von Dertour Deluxe, die in elf Tagen von Kapstadt nach Johannesburg führt: Zwei Tage verbringen die Gäste in Hermanus (Foto) im Hotel Birkenhead House. Die Luxusunterkunft am Meeresschutzgebiet Walker Bay liegt auf einer Klippe ­– von den bequemen Liegen auf der Terrasse könnte man stundenlang entspannt aufs Meer schauen! Die Gäste können zudem an einer Walbeobachtungsfahrt teilnehmen, bevor es weiter geht ins Sabi Sabi Wildreservat. Kontakt: Service-Team von Dertour Deluxe, Telefon +49 69 95 88 5111

Berggorillas, Ruanda

Sie sind die absoluten Top-Stars im touristischen Tierreich: die vom Aussterben bedrohten Berggorillas. Sanft trotz Superman-Kräften, selten und aufgrund streng limitierter Permits und anstrengenden Regenwald-Hikes schwer zu erreichen ­– kein Wunder, dass die Menschenaffen bei Luxusurlaubern heiß begehrt sind (Stichwort: Bragging Rights). Sie in Ruanda zu erleben, heißt den "Familienbesuch" mit einem der sichersten und spannendsten Länder Afrikas zu verbinden. Das Land steckt noch in den touristischen Kinderschuhen und ist fern von jeglichem Massentourismus, dennoch gibt es mittlerweile tolle Luxusunterkünfte. Perfekt für Reise-Pioniere im Top-Segment! Die neuntägige Rundreise "Tierparadiese in Ruanda erkunden" von Airtours Private Travel erfüllt genau diesen Forscherdrang. Etwa im Akagera Nationalpark, wo man im noch jungen Magashi Camp von Wilderness Safari zum Prusten der Flusspferde einschlummert, bevor es zu den Gorillas in den Volcanoes Nationalpark geht. Dort prustet man dann selbst, während man sich durch dichtes Grün kämpft, immer schön bergauf. Bis man plötzlich direkt vor ihnen steht und den Berggorillas direkt in ihre klugen Augen blickt… Gänsehaut pur! Schönster Nebeneffekt: Ein Teil des Geldes, das mit den Permits eingenommen wird, wird dafür verwendet, weiteres Land zum Nationalpark hinzu zu kaufen. Kontakt: Afrika-Expertin Heike G. Trines, Telefon +49-511-5672995

Eisbär, Kanada

Da ist einer! Und er kommt mit tapsigen Schritten auf uns zu… nur gut, dass wir so weit oben sitzen! Wer in die "Eisbären-Hauptstadt" Churchill im kanadischen Manitoba reist, erkundet die Tundra dort mit hohen Spezialbuggys. Bei diesen busähnlichen Gefährten kann man den oberen Teil seines Fensters aufschieben und sogar auf eine Art Balkon im hinteren Teil des Waggons hinaustreten, um die riesigen Raubtiere zu bestaunen und zu fotografieren, die sich auf leisen Pfoten über den Schnee nähern. Die große Höhe ist wichtig: Stellen sich die neugierigen Eisbären auf die Hinterbeine, sind die größeren Exemplare durchaus auf Augenhöhe mit den Besuchern. Da stuppst die Teddynase dann fast an das Kameraobjektiv ­– Wahnsinn! In der Hochsaison sieht man locker 20 Tiere an zwei Tagen, was aber nicht darüber hinweg täuschen darf, dass Eisbären als gefährdet eingestuft sind. Wie viele wild lebende Tiere es noch gibt, weiß niemand ­– beim Blick auf die weiße Unendlichkeit um einen herum wird sofort klar, weshalb. Bei der Reise "Auf Eisbär-Pirsch an der Hudson Bay" des Erlebnisreise-Anbieter Diamir erkundet man zwei Tage lang die Hudson Bay und entdeckt mit etwas Glück auch Polarfüchse, Schnee-Eulen und die fluffigen Schneehühner. Kontakt: Geschäftsführer Jörg Ehrlich, Telefon +49 351 31207-41

Das sagt die Branche

Wie wichtig sind seltene Tierarten für den Reiseverkauf – kommen die Kunden mit einer Art Bucket List?

"Tiere werden definitiv ganz gezielt nachgefragt. Nicht nur die aktuell sehr begehrten Gorillas –­ es gibt auch andere Highlights aus der Tierwelt, für die unsere Gäste viel Geld zahlen. Welche Tierarten das sind? Soviel sei verraten: Demnächst gibt es bei uns Reisen zu Eisbär, Jaguar, Wal, Luchs, Quetzal, Leopard und Schneeleopard. Reisen zu seltenen Vögeln bieten wir mit der Firma Birdingtours an. Die Corona-Krise wird die Nachfrage nach Tierreisen nicht verändern ­– diese wächst ohnehin. Diesen Trend gibt es also schon länger, er wird durch die Pandeme lediglich verstärkt. Individualreisen sind natürlich auch in diesem Segment der Renner: Im Moment verkaufen wir fast ausschließlich Privatguide-Touren."

Rainer Stoll, Geschäftsführer Travel-to-Nature

Fazit

Tiere lassen kaum jemanden kalt ­– der perfekte Aufhänger für einen Gesprächseinstieg und ein bisschen emotionales Storytelling. Aufgrund der Pandemie stehen sie nun noch höher im Kurs: zu stark das Bewusstsein, wie fragil unsere Erde doch ist, zu stark der Wunsch nach wilder, einsamer Natur. Und nach Erlebnissen, die unsere Enkel vermutlich schon nicht mehr werden haben können … Diesen Negativ-Trend kann man mit dem Verkauf einer Tierreise manchmal sogar verlangsamen: Nicht selten setzen sich wohlhabende Reisende im Nachhinein finanziell und mit ehrenamtlichem Engagement für die Tiere ein, die ihr Herz so berührt haben. Neben einer ordentlichen Provision ein guter Grund, die Fellnasen im Verkauf gezielt einzusetzen!

Text: Iris M. Köpke