LuxusInsider im Gespräch

Ian Moore, Vistajet Chief Commercial Officer

Ja, es gibt sie – auch in der Touristik: Unternehmen, die von der Krise profitieren konnten. Der global agierende Privatjet-Anbieter Vistajet mit seinen mehr als 70 Maschinen gehört dazu. Wer mitfliegen möchte, kann Mitglied werden und seine Reisepläne komplett über das Unternehmen abwickeln lassen. Weshalb er trotzdem an die Zusammenarbeit mit Reiseverkäufern glaubt und wie wichtig ihm das Thema Nachhaltigkeit ist, verrät CCO Ian Moore im LuxusInsider-Gespräch.

LuxusInsider: Die vergangenen zwölf Monate waren eine große Herausforderung für die Reisebranche mit Ausnahme der Privatjet-Anbieter. Wie hat sich das Geschäft bei Vistajet in dieser Zeit entwickelt?

Ian Moore: Die Corona-Krise hat jeden betroffen und uns alle eiskalt erwischt. Allerdings war es Vistajet möglich, in dieser schwierigen Situation den hohen Grad an Privatsphäre zu bieten, der plötzlich gefragt war. Privatsphäre war schon zuvor ein wichtiger Punkt im Luxusreise-Segment, nun bringt sie zusätzliche Sicherheit. Hinzu kam der fast vollständige Zusammenbruch der regulären Luftfahrt: Wer wirklich unbedingt von A nach B wollte, musste häufig einen Privatjet dafür in Anspruch nehmen. Wir haben während der Pandemie viele Neukunden gewonnen: Im ersten Quartal 2021 waren es rund 90 Prozent mehr als noch im ersten Quartal 2020.

LuxusInsider: Gehen Sie davon aus, dass diese hohe Nachfrage anhält oder wird sie zurückgehen, sobald reguläres Reisen wieder problemlos möglich ist?

Moore: Wir setzen natürlich alles daran, dass die neu gewonnenen Kunden uns auch weiterhin treu bleiben. Wir haben sogar Neukunden, die jetzt schon mit uns für die Zukunft buchen, obwohl sie aktuell noch gar nicht aus ihrem Heimatland ausreisen dürfen. Und eines steht fest: Es ist sehr schwierig, seine Ansprüche wieder zurückzuschrauben, wenn man einmal ein gewisses Komfortlevel erlebt hat. Die Vorteile eines Privatjets sprechen für sich: Oftmals liegen die Flughäfen dichter am Abreiseort, man hat keine Wartezeiten, muss nicht in lange Schlangen am Security Check und sollte man einmal zu spät kommen, muss man auch nicht gleich ein komplett neues Ticket kaufen. Ich gehe davon aus, dass der Anteil der Menschen, die mit einem Privatjet fliegen, nach der Krise signifikant höher ist als davor. Dabei muss man eines ganz klar sagen: Ja, wir haben von der Krise profitiert. Aber wir waren zuvor schon auf einem sehr guten Wachstumskurs.

LuxusInsider: Blicken Sie auch für den Geschäftsreisebereich so positiv in die Zukunft?

Moore: Definitiv. Mit Zoom-Meetings kann man überleben, aber nicht wachsen. Und so haben viele Unternehmen die Krise zwar überstanden, aber ihr Geschäft floriert nicht wirklich. Hinzu kommt, dass die Menschen sich danach sehnen, sich endlich wieder persönlich gegenüber zu sitzen. Und gerade das Top-Management wird wieder fliegen müssen: Man schließt keinen Mega-Deal ab, ohne sich persönlich getroffen zu haben. Hier hat Europa momentan die Nase vorn: Es war unser stärkster Quellmarkt für Geschäftsreisen im ersten Quartal.

LuxusInsider: Was sind die neuesten Veränderungen in Ihrem Portfolio, die durch aktuelle Trends oder von der Pandemie angestoßen wurden?

Moore: Wir sind grundsätzlich sehr innovativ. Zu unseren jüngsten Neuheiten gehört etwa das Dynamic Lease Program: Hierbei erhalten die Kunden nicht irgendein Flugzeug aus der gewählten Kategorie, sondern bekommen immer dasselbe Gerät zur Verfügung gestellt. Dies war gerade zu Beginn der Pandemie sehr nachgefragt. Auch unser noch junges Corporate Program kommt sehr gut an: Die Unternehmen haben quasi alle Vorteile eines firmeneigenen Jets ohne die entsprechenden Verpflichtungen. Dadurch erreichen wir zum Beispiel, dass nicht jedes Unternehmen ein eigenes Flugzeug unterhält, was weder finanziell noch in Sachen Umweltschutz besonders nachhaltig ist. Flottenseitig haben wir kürzlich die ersten beiden Global 7500 in Empfang genommen und zehn weitere Challenger 350 bestellt.

LuxusInsider: Nachhaltigkeit ist ein wichtiges Thema im Luxusreise-Segment. Und die Bedeutung ist seit Beginn der Pandemie sogar noch gewachsen. Wie reagiert Vistajet darauf?

Moore: In der Tat hat das Thema noch an Bedeutung gewonnen. Vistajet hat sich verpflichtet, bis 2025 das erste klimaneutrale Unternehmen der Geschäftsluftfahrt zu werden – 25 Jahre früher als es die aktuellen Branchenziele vorsehen. Unser Nachhaltigkeitsversprechen beruht auf mehreren Säulen. Diese reichen von der CO2-Kompensation bis hin zur nachhaltigen Gestaltung unserer Onboard-Produkte. Mehr als 80 Prozent unserer Kunden haben sich dem angeschlossen und kompensieren ihren CO2-Fußabdruck. Die anderen 20 Prozent tun dies deshalb nicht, weil ihre Unternehmen selbst ähnliche Programme aufgelegt haben. Wo immer möglich, vermeiden wir Leerflüge. Zusätzlich optimieren wir Routen, um den Treibstoffverbrauch zu reduzieren und investierten in KI-Technologie für ein optimiertes Flottenmanagement. Zudem investieren wir viel, um unsere Flieger so verbrauchsarm wie möglich zu machen und so viele neue, sparsame Maschinen wie möglich einzusetzen. Wir haben ganz klar das Ziel, in unserem Segment der Marktführer in Sachen Nachhaltigkeit zu werden und Lösungen zu finden, die auch andere Anbieter nutzen können.

LuxusInsider: Wie entwickelt sich der deutschsprachige Markt für Vistajet? Und welche Rolle spielen Reisebüros und Veranstalter dabei?

Moore: Wir sehen Wachstum aus dem DACH-Markt. Sowohl im Privatkunden-Bereich als auch von Unternehmensseite aus erhalten wir vermehrt Anfragen. Dabei kommt uns vor allem unser Membership-Konzept zugute: Deutschsprachige Kunden zeigen wenig Interesse daran, Anteile an einem Privatjet zu erwerben, wie es manche Anbieter zur Bedingung machen. Die größte Herausforderung hier ist tatsächlich das Thema Nachhaltigkeit – diese Hürde müssen wir erst einmal nehmen und uns entsprechend positionieren. Für Reiseverkäufer bieten wir unser On-Demand-Program mit Netto-Raten an und arbeiten auch schon regelmäßig mit Travel Agents zusammen.

LuxusInsider: Auf den Punkt gebracht: Weshalb sollten Reiseverkäufer aus dem DACH-Markt bei Vistajet buchen?

Moore: Die Reiseverkäufer müssen ja ihre Kunden auch irgendwie zum gebuchten Reiseziel bringen. Und da braucht man gerade in diesen Zeiten einen zuverlässigen Partner, der das erwartete Service-Level auch erfüllen kann. Ein Travel Agent, der sich um die ganze Kette von Flug, Transfer, Unterkunft etc. kümmern muss, ist auf viele einzelne Kettenglieder angewiesen, und wenn da etwas schief geht, möchte man doch einen Partner haben, der gründlich vorgeht. Wir möchten mit all jenen zusammenarbeiten, die genauso serviceorientiert ticken wie wir und die kommenden, hoffentlich besseren zwölf Monate voller Zuversicht angehen möchten.

Das Gespräch führte Iris M. Köpke