Branchenblick

Onefinemoment wird zum Nachhaltigkeitsbotschafter

Die Krise dafür zu nutzen, alte Strukturen zu hinterfragen ­– diesem Rezept ist wohl so ziemlich jeder Luxus-Spezialist im vergangenen Jahr gefolgt. Bei Susanne Singer, Inhaberin des Spezialveranstalters Onefinemoment, ist dabei ein ganz besonderes Ergebnis herausgekommen: Sie investiert jetzt Zeit und Geld ­– in andere.


von Iris M. Köpke

Vor einem guten halben Jahr hörte Onefinemoment-Chefin Susanne Singer zum ersten Mal davon: Man sei da "an einer Sache dran", steckten ihr zwei britische Repräsentanten, die seit vielen Jahren überwiegend Hotels und DMCs repräsentieren, die stark auf Nachhaltigkeit ausgerichtet sind. Ob man ihr das mal vorstellen dürfe? Und ob: "Genau das war doch die Zeit, Neues auszuprobieren und sich neu auszurichten", so die Touristik-Expertin aus München. Und so wurde sie im Herbst 2020 ins Boot geholt: Anbieter, die viel Know-how in Sachen Nachhaltigkeit haben, wollten ihr ganzes Wissen zusammentragen, um gemeinsam eine noch höhere Wirkung zu erzielen. Als Partner dafür suchte man Veranstalter, die dieses Engagement wirklich zu schätzen wissen.

Bei Susanne Singer traf die Idee auf offene Ohren: "Zielgebiete wie Dubai und die Malediven laufen bei uns seit November durchgehend gut. Es sind zwar alles sehr kurzfristige Buchungen, aber wir generieren viel Neugeschäft, was wir ohne Corona nicht bekommen hätten – einfach nur, weil wir durchgehend erreichbar sind, auch am Wochenende und um 22 Uhr abends", fasst sie ihre aktuelle Situation zusammen. Und sagt dann einen Satz, den wohl viele Touristiker aus tiefstem Herzen nachempfinden können: "Ich bin so froh, dass ich meinem Beruf wieder nachgehen kann."

Zeit fürs Kick-Off-Meeting Anfang des Jahres blieb natürlich trotzdem: Die neuen Mitglieder fanden sich in kleinen Gruppen zusammen und wurden von ihrem jeweiligen Mentor in spannende Projekt in Indien, Afrika, Bhutan und Australien eingewiesen. Dann hob man gemeinsam die Conscious Travel Foundation aus der Taufe. "Ich mag dieses internationale Flair, weil man so viele unterschiedliche Perspektiven und Herangehensweisen an das Thema Nachhaltigkeit erlebt", schildert Singer ihr erstes Erlebnis. Logisch, dass da auch komplexe Fragen auftauchen etwa der Wunsch einer Agentur-Inhaberin aus den USA, deren Unternehmen auf Reisen mit (den wenig nachhaltigen) Privatjets spezialisiert ist, und die gerade deshalb alles für einen Ausgleich tun möchte. Singers Fazit: "Luxusreisen widersprechen Nachhaltigkeit nicht per se, wenn man im Rahmen seiner Möglichkeiten Unterstützung anbietet."

Zur Zeit sind 20 Agenturen aus der ganzen Welt dabei, Onefinemoment ist das einzige Gründungsmitglied aus Deutschland. Knapp 1.000 Euro betrug ihr Initial-Investment, aber Susanne Singer trägt noch etwas viel Wertvolleres bei: ihre Zeit. "Zum einen gibt es mir ein gutes Gefühl zu wissen, dass das Geld wirklich im Land verbleibt, wenn ich bei diesen Anbietern etwas buche – da kann man noch richtig etwas bewegen. Zudem bin ich überzeugt davon, dass viele Kunden das Konzept interessant finden und die Projekte unterstützen wollen, indem sie dorthin reisen."

Ihre Hauptmotivation sei es aber zu lernen, was man noch alles tun kann, um sich nachhaltig zu engagieren. "Das ist mit einer Spende nicht getan, man muss auch aktiv mitmachen", umreisst die Inhaberin ihr neues Engagement. Alle zwei Wochen sind Schulungen, die Teilnehmer müssen ihre "Hausaufgaben" machen. "Das habe ich mir sehr gewünscht, denn ich möchte ein Nachhaltigkeitsziel für Onefinemoment zu Papier bringen", erläutert die Luxusreise-Expertin. Natürlich gehe es auch darum, die Kunden aufzuklären. Die Anbieter der Conscious Travel Foundation imponieren ihr sehr, insbesondere vor ihrem Mentor – einem Hotelier aus Bhutan – hat sie den höchsten Respekt: "Was der schon alles auf die Beine gestellt hat! Ich muss immerzu daran denken, dass in unserem Segment diesbezüglich noch so viel mehr geht – ohne dabei immer nur auf Profit aus zu sein."

Entsprechend lautet ihre –­ für eine Geschäftsführerin doch überraschende – Aussage: "Es ist nicht meine Intention, dieses Engagement zu vermarkten. Ich glaube einfach fest daran, dass wir etwas verändern können. Und so werde ich meine DMCs, Resorts und Lodges künftig noch viel stärker danach auswählen, ob sie vor Ort wirklich etwas bewegen", so Singer. Denn: "Wenn das Geld, das ich da hin lenke, 20 Frauen einen Job sichert oder Kindern den Schulbesuch ermöglicht, wenn ich also einen Unterschied machen kann und die Kunden das auch noch spannend finden, dann ist es doch umso besser."

Und dass das der Fall sein wird, davon ist sie überzeugt: "Der Wunsch, etwas zurückzugeben, ist bei den Wohlhabenden, die es wirtschaftlich kaum getroffen hat, durch Corona noch größer geworden." Schließlich empfindet sie selbst ganz ähnlich: "Diese Dankbarkeit, dass wir die Krise überstanden haben, die möchte ich einfach weitergeben." Liebe Leser, lassen Sie sich diese Aussage mal auf der Zunge zergehen – nach einem Jahr Corona-Dauerschleife.

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