DESTINATION MIT CHARME


Namibia

Eine Fernreise in diesen Zeiten?! In ein Nachbarland Südafrikas, wo eine der gefährlichen Virusvarianten grassiert? Die muss den Verstand verloren haben! Das nicht, aber meine Reiselust habe ich eben auch nicht verloren. Und so ging es Ende Januar nach Namibia, um die Neuigkeiten der Lodges zu begutachten und eine hierzulande kaum bekannte DMC auf Herz und Nieren zu testen. Und spätestens als ich den legendären Deathvlei ganz für mich allein hatte, stand fest: Beste Entscheidung ever!

Ein Erlebnisbericht von LuxusInsider-Chefredakteurin Iris M. Köpke

Die Ausgangslage

Hand aufs Herz: Ein bisschen mulmig war mir schon bei der Entscheidung, diese Reise anzutreten. Nicht aus Sorge vor einer Ansteckung (hey, Namibia ist dreimal so groß wie Deutschland und dort leben gerade mal zwei Millionen Menschen), sondern aufgrund der unsicheren Fluglage: Nur eine einzige Airline flog zum Reisezeitpunkt direkt von Deutschland aus in das südafrikanische Land, und die kannte das Wort "Zuverlässigkeit" schon vor der Pandemie nicht. Fazit: Wo sonst ein Flugticket und ein spannendes Itinerary reichen, muss jetzt ein Veranstalter mit an Bord. Jemand, der mich auf jeden Fall zurückholt und mich nicht der Willkür der Fluggesellschaften überlässt. Auftritt Luxury Dreams aus Berlin: Acht Tage Namibia – here I come!

Meinen Guide Franco Morao von Ultimate Safaris entdecke ich am kleinen Airport von Windhoek sofort, seine erste Amtshandlung: mir seinen negativen Antigen-Schnelltest zu zeigen. Ich musste vor Reiseantritt ebenfalls einen negativen PCR-Test vorlegen, entsprechend sind wir jetzt beide entspannt – immerhin werden wir in der nächsten Woche stundenlang gemeinsam im Safari-Bus sitzen. Dennoch stellt sich schnell raus, dass Franco einer der wenigen Einheimischen ist, der penibel auf die Einhaltung der Maskenpflicht achtet. Vorbildlich!

Ich frage ihn Löcher in den Bauch über Ultimate Safaris, die ich zugegebenermaßen vor der Reise erstmal googlen musste. Offenbar zählt das Unternehmen im englischsprachigen Raum zu den Marktführern, ist bei uns aber noch ein absoluter Underdog: Nicht mal eine Handvoll deutscher Luxus-Spezialisten arbeiten mit Managing Director Tristan Cowley und seinem Team. Rückblickend beurteilt kann man dazu nur sagen: Böses Versäumnis! Doch zum jetzigen Zeitpunkt ahne ich noch nicht, dass ich das Highlight meines Trips Franco zu verdanken haben werde.

Allerdings ist unser Auftakt denkbar holprig: Nach dem langen und wenig erholsamen Nachtflug steht zunächst eine rund fünfstündige Autofahrt zur ersten Unterkunft an. Etwa auf der Hälfte, dort wo die Kalahari in die Namib-Wüste übergeht, hat Franco einen Lunch-Stopp auf einem Felsplateau eingeplant – im Schatten des einzigen Baumes weit und breit. Von hier aus hat man einen atemberaubenden Ausblick. Zumindest erzählt er mir das, denn jetzt gerade kann man vor lauter Nebel nur ein paar Meter weit sehen. Das ist allerdings meine geringste Sorge, denn von dem Baum seilen sich gerade abertausende schwarzer Raupen gleichzeitig ab – nur um sich mit unfassbarem Enthusiasmus auf uns und das Picknick zu stürzen. Auf unseren Schuhen, unseren Beinen, auf dem Tisch und der Kühltruhe – sie krabbeln überall! Und lassen sich dank winziger Widerhaken nicht entfernen. Versucht man es doch, zerplatzen sie zu grünem Schleim. Und das mir mit meiner ausgeprägten Insektenphobie!

Nichts wie weg hier! Und was macht man, wenn man stundenlang durch die Gegend schaukelt? Genau: quatschen. Verblüfft stelle ich fest, dass Franco der erste Guide in meiner 15-jährigen Karriere ist, der tatsächlich das berühmte "auf Augenhöhe sein" erfüllt. Er ist selbst schon ganz ordentlich rumgekommen, ist ausgesprochen gebildet und kennt sämtliche Luxuslodges in Namibia in- und auswendig. Und zwar samt Konzept, Inneneinrichtung und Service-Angebot, und nicht nur, weil er dort öfters mal Gäste absetzt. Herzlichkeit und echte Gastfreundschaft strahlen ihm aus jedem Knopfloch. Schon am zweiten Tag habe ich das Gefühl, mit meinem besten Kumpel unterwegs zu sein (und höre von jedem, dem ich das begeistert erzähle, dass alle Gäste genau dasselbe von ihrem jeweiligen Guide von Ultimate Safaris sagen.) Hut ab, Jungs!

Zu den zwei wichtigsten Qualitäten, die Franco mitbringt, zählt zum einen sein unglaubliches Wissen über die Natur und das Reiseland Namibia. In Sachen Pflanzen- und Tierwelt ist der Naturalist mir wandelndem Biologie-Lexikon haushoch überlegen. Schnell stellt sich heraus, dass er sogar deutlich mehr weiß als die Guides, die die Lodges mir zusätzlich an die Seite stellen (auch wenn er sich höflich bemüht, sich das nicht anmerken zu lassen).

Und dann dieser Enthusiasmus: Weiter entfernt als von den üblichen Safari-Guides, die gelangweilt auf ihren dreitausendsten Elefanten deuten, während die Gäste aus dem Häuschen geraten, könnte Franco gar nicht sein. Im Gegenteil: Bei jeder Tiersichtung leuchten seine Augen, macht er genauso viele Fotos und Videos wie ich und teilt begeistert sein Wissen (ja, auch das zu den Krabbeltierchen). Selbst über kleine Vögel oder Schildkröten sieht er nicht hinweg, und auch die Gesteinsarten und deren Entstehung kann er haargenau erklären – ein Traum für Outdoor-Fans! Dass ich mir auf der Rückfahrt im legendären Örtchen Solitaire ein Stück des nicht weniger legendären Apfelkuchens mitten in Corona-Zeiten ohne zu zögern mit ihm teile, sagt wohl alles über das Vertrauensverhältnis aus.

So grün hatte ich mir Namibia gar nicht vorgestellt … den Gedanken kann ich gar nicht richtig zu Ende denken, da hält der Safari-Bus vor der andBeyond Sossusvlei Desert Lodge und es gibt ein Riesenhallo! Eine überraschend große Schar Angestellter strömt auf den Vorplatz der Lodge, um mich herzlich willkommen zu heißen – wow, was für ein netter Empfang! Jetzt aber ab ins Zimmer, das Duschen kann nun wirklich nicht mehr warten. Lodge-Manager Norman macht das Rooming mit mir: sehr herzlich, aber leider auch kurz und knackig. Dass die sagenhafte Mini-Bar (an der nun wirklich nichts "mini" ist) samt Eiscremes und Sorbets ebenso im Aufenthalt inkludiert ist wie der Wäsche-Service, hätte ich zum Beispiel gern gewusst. Auch dass ich ab sofort von einer fröhlichen, persönlichen Butlerin umsorgt werde, wird mir erst klar, als sie mir zum ersten Mal Lunch serviert.

Frisch geduscht geht es zum Dinner. Jeder Hotel-Mitarbeiter, der mir begegnet, stellt sich aktiv vor und plaudert ein bisschen – Gastfreundschaft at its best! Da stört es kein bisschen, dass pingelig genau auf die Einhaltung sämtlicher Hygieneregeln geachtet wird. Auch General Managerin Nicolene Schoeman nimmt sich viel Zeit für ihre Gäste – zumindest, wenn sie nicht gerade gemeinsam mit ihrem Team Wasser schippt: Es regnet draußen in Strömen, und der dunkle Berg am Horizont sieht aus wie der Schicksalsberg aus Herr der Ringe, während ein gewaltiges Gewitter über ihm tobt. Alle um mich herum sind vor Freude völlig aus dem Häuschen, während der Regen für kleine Überschwemmungen im Außenbereich des Haupthauses sorgt. Das Wasser wird höchst stilecht in Champagner-Kühlern aufgefangen oder eben mit Wasserschiebern in die Natur bugsiert.

Im Restaurant steht allabendlich eine kleine Auswahl an Bio-Gerichten bereit, kulinarische Richtung "Desert Chic". Nur durch Zufall bemerke ich, dass ich eine andere Speisekarte habe als Franco: Lebensmittel, gegen die ich eine Unverträglichkeit habe, wurden nicht einfach nur weggelassen, sondern durch komplett andere Gerichte ersetzt. Eins mit Sternchen!

Am nächsten Morgen schaue ich mich ein bisschen in meiner Suite um. Wie alle zehn Suiten und die öffentlichen Bereiche wurde sie grundlegend renoviert. Die neu hinzugefügte Star Dune Suite kann wahlweise als Familiensuite mit zentralem Wohn- und Loungebereich genutzt oder als zwei separate Einheiten gebucht werden. Im Inneren meiner Suite dominiert nicht etwa das moderne Design – sondern die spektakuläre Natur rundherum. Neue, bodentiefe Fenster ermöglichen den Blick in eine Ebene, die mit den im Hintergrund hoch aufragenden Bergen sicherlich schon Blickfang genug wäre. Jetzt aber hat der Regen die gesamte Ebene in ein zartes Grün getaucht – gespickt mit gelben Blüten. So stark hat es nach Aussagen der Einheimischen hier seit mehr als zehn Jahren nicht mehr geregnet. Entsprechend zeigt die Natur jetzt, was sie drauf hat, und schickt zahllose Blümchen ins Rennen, um schnell genug zu reifen und ihre Samen erneut im Wüstensand einzubetten – bis der nächste große Regen kommt. Für diesen Wahnsinnsausblick muss ich nicht mal aufstehen, alles ist vom Bett aus bestens zu bewundern. Das gilt übrigens auch für den nächtlichen Sternenhimmel: In diesen blickt man durch ein Oberlicht direkt über dem Bett.

Ein sehr guter Grund zum Aufstehen ist allerdings der Privatpool, der jetzt zu jeder Suite gehört. Perfekt vor fremden Blicken verborgen und schön groß – da hat jemand mitgedacht. Leider hatte derjenige nicht die gleiche Weitsicht im Sanitärbereich: Weder findet man als Frau frühmorgens, wenn es noch stockdunkel ist, einen Spiegel, der ausreichend ausgeleuchtet ist um sich zu schminken, noch will das Wasser in der Dusche warm werden. Dann verstehe ich: Entweder Wasserdruck oder warmes Wasser, beides zusammen ist leider nicht drin. Dafür entschädigt der Ausblick: Auch die Dusche ist bodentief rundumverglast. Niemand kann einen sehen, aber man selbst beobachtet beim Haare waschen den Sonnenaufgang über der Namib. Mega!

Dann folgt eine herbe Enttäuschung: Aufgrund des Regens ist es unmöglich, die Straße zu passieren – damit fällt der Ausflug zum namensgebenden Sossusvlei Nationalpark flach. Menno! Da ist man einmal in Namibia… Aber andBeyond-Guide William, der nach anfänglicher Schüchternheit spürbar aufgetaut ist, weiß Abhilfe: Der Big Dune Walk auf dem Gelände der Lodge könnte ein adäquater Ersatz sein. Haben Sie auch nur ansatzweise eine Ahnung davon, wie anstrengend es ist, eine Düne aus feinstem Sand hochzulaufen?! Nur gut, dass William im Anschluss ein tolles Open-Air-Frühstück unter einem ausladenden Camelthorn Tree zaubert, und wir Familie Schakal samt Nachwuchs und eindrucksvollen Straußen begegnen.

Großartig ist auch die Quad-Tour „Living Dunes“, bei der man sich auf die (Fuß-)Spuren des Wüstenlebens macht. Unfassbar niedlich: Die winzigen Hüpf-Abdrücke der kleinen Wüstenspringmäuse! Wer Ausdauer hat und nicht ängstlich ist, erklimmt danach beim abendlichen Ausflug "Desert People" noch einen Geröllhang zu einer weit oben am Berg gelegenen Felshöhle. Hier fanden einst die indigenen San Unterschlupf – und hinterließen faszinierende Felszeichnungen. Dann die gute Nachricht: Bis zum nächsten Tag, da sind sich Franco und William sicher, ist das Regenwasser versickert, und wir können unsere Sossusvlei-Tour nachholen.

Keine 24 Stunden später sitze ich im Safari-Jeep und spüre, wie sich mein Puls beschleunigt. Vor mir watet Franco langsam durch den reißenden Fluss, der leider nach wie vor die Straße überspült. Seine Theorie: Wenn das Wasser ihn nicht wegreißt, wird es auch das Fahrzeug schaffen. Tut es, aber bis dahin sind William und ich gefühlt um Jahre gealtert. Langsam wird mir klar, dass nicht nur ich unbedingt in den Sossusvlei Nationalpark möchte: Auch die beiden Guides können es gar nicht erwarten, dieses normalerweise knochentrockene Stück Land im feuchten Ausnahmezustand zu erleben.

Im Park gilt es erneut, eine überspülte Straße zu überwinden, zusätzlich mault uns ein übellauniger Ranger an, der "wegen unseres Leichtsinns keinen Bericht schreiben will". Ist klar… Schließlich gelangen wir doch zu dem Platz, den uns bislang jeder als das absolute Ende der Strecke beschrieben hat. Ab hier steht wirklich alles unter Wasser: Es gibt keinen überschwemmten Weg, es gibt nur noch Überschwemmung. Eigentlich unmöglich, hier noch weiterzufahren, jedes Fahrzeug würde sofort im Schlamm feststecken. Also keine Chance, bis zum berühmten Deathvlei zu gelangen… aber ich habe ja eine Geheimwaffe: Franco.

Durch seine Erfahrung als Guide weiß William, dass er nicht stecken bleibt, solange er nur auf dem offiziellen Weg bleibt: Hier ist der Boden durch die unzähligen Fahrzeuge, die tagtäglich darüber brettern, so fest zusammengedrückt, dass ein Einsinken unmöglich ist. Nur: Wie sollen wir die Fahrspur finden? Soweit das Auge reicht gibt es nur schlammige Wassermassen, die einem riesigen braunen See gleichen, aus dem hier und da mal ein Baum ragt. Francos Lösung ist so simpel wie faszinierend: Er schaut oben aus der Dachluke des Jeeps heraus und gibt William detaillierte Anweisungen, wo genau er fahren soll. Denn: mein Super-Guide kennt den Weg auswendig. Hach! Und so kommt es, dass wir schließlich breit grinsend auf den Parkplatz am Deathvlei rollen. Und erstmal sprachlos sind: Offenbar war niemand sonst so verrückt, dieses Abenteuer zu wagen. Der Parkplatz ist leer, im Sand sind keine frischen Fußabdrücke zu sehen. Kann das wahr sein?! Es kann! Nachdem ich mich schnaufend bei 45 Grad (im nicht vorhandenen Schatten) über einen Kilometer durch die Dünen gekämpft habe, stehe ich im Deathvlei. Mutterseelenallein. Dieses Erlebnis kann man für kein Geld der Welt kaufen. Gänsehaut trotz Affenhitze!

Am nächsten Morgen geht es noch weiter nach Süden, durch das Namib Rand Naturreservat bis in die Karas Region. Ich tagträume vom kitschig-schönen Regenbogen über der "Versteinerten Düne" am Vorabend und der herzlichen Verabschiedung vom andBeyond-Team. Zumindest bis mir Zebras, Oryx-Antilopen, Springböcke und sogar Giraffen vor die Kamera-Linse rennen. Toll in der saftig-grünen Umgebung, aber auch deutlich weiter weg als man es etwa von Safaris in Südafrika kennt. Nach knapp sechs Stunden Autofahrt deutet Franco auf etwas in der Ferne. Wow! Der erste Eindruck sitzt. Die Sonop Lodge der Zannier Hotels ist mit atemberaubender Architektur in einen der gigantischen Granithaufen hineingebaut, die man hier allerorts als "Spielplätze der Riesen" kennt. Foto-Stopp!

Der verwirrende Check-in-Prozess nimmt leider wieder einiges vom Zauber, das Personal spricht nur in Teilen verständliches Englisch und die Gastfreundschaft ist eher professioneller Art – eine kalte Dusche nach den Tagen bei andBeyond. Anton van Graan rettet die Lage: Der fröhliche General Manager taucht plötzlich mit einer Art robustem Golfwagen auf und verabredet sich mit mir zum Dinner. Schließlich werde ich zu meinem Zelt geführt. Echt jetzt? Die "Fenster" (mit Fliegengitter versehene Auslässe) sind trotz Mittagshitze offen, die Klimaanlage nicht an. Entsprechend herrschen in den erdig-dunklen Zelt locker 50 Grad, was die Dame, die ein sehr gründliches Rooming mit mir macht, nicht zu stören scheint. Sie erklärt mir, dass ich entweder die Fenster zum Schutz gegen die Sonne mit einer Abdeckung verschließen und im Dunklen sitzen kann oder den Ausblick genießen und eben schwitzen. Aha. Dann doch lieber raus auf die umlaufende Veranda, denn der Ausblick ist in der Tat sagenhaft: Bis zum Horizont erstreckt sich zartes Grün, durchsetzt von unzähligen weiteren Granit-Geröllhaufen. Gottseidank habe ich keine Zelt-Nachbarn, denn meine Kamera klickt unentwegt.

Der Style der insgesamt acht Gästezelte ist ausgesprochen kolonial, selbst der Kleiderschrank ist ein auf der Seite aufgestellter, aufgeklappter Riesenkoffer von anno dazumal. Nicht mein Geschmack, aber die einzigen anderen Gäste, ein junges Paar aus der Schweiz, finden's wunderschön. Nur die Dusche beklagen sie, deren sehr spezielles Design jeden Tag eine große Überschwemmung im Bad anrichtet. Da sind sie nicht die einzigen: Aufgrund des Gäste-Feedbacks arbeitet Zannier hinter den Kulissen schon an einem neuen Konzept. Mir gefällt am besten, dass hier absolut nichts kreucht und fleucht, nicht das kleinste Käferlein krabbelt durch mein Zelt. Darüber hinaus ist die Lodge nichts für Hygienefanatiker: So sind etwa die ausgelegten Broschüren, die man in Corona-Zeiten sonst kaum noch sieht, eindeutig schon durch mehrere Hände gegangen. Und Maskenfans gibt es beim Personal auch keine … Was es stattdessen gibt, ist eine Gummi-Duschmatte. Vielleicht liegt es gar nicht an der Hitze, dass mir gerade ganz anders wird.

Der Abend ist dann eine einzige Aneinanderreihung von Momenten, die Erinnerungen für die Ewigkeit schaffen: Auf einen epischen Sundowner, bei dem nicht nur die Sonne über der üppig bewachsenen Wüste untergeht, sondern auch ein riesiger Vollmond aufgeht, folgt ein Dinner mit Anton. Und ich kann bis heute nicht sagen, ob nun das Filetsteak von Koch Roberto oder der sagenhafte südafrikanische Wein das eigentliche Highlight waren. Jetzt fällt erstmals so richtig auf, dass eigentlich nie jemand vom Team still steht, alle scheinen permanent betriebsam zu sein. Natürlich ist Corona Schuld: Von ursprünglich 45 Angestellten sind gerade mal noch acht da. Und so kommt es, dass Spa-Managerin Marianne in der Küche beim Gemüse schnippeln hilft, Koch Roberto nebenbei Hausmeisterdienste erledigt und Oberhaupt Anton sich um die edlen Pferde der Anlage ebenso kümmert wie um die Instandhaltung der Wasseraufbereitungsanlage.

Dieses Multitasking-Konstrukt erklärt auch, weshalb das schmutzige Handtuch, das ich morgens auf dem Badezimmer-Fußboden hinterlassen habe, abends wieder fein säuberlich aufgehängt ist – über dem noch sauberen zweiten Handtuch. Und wieso uns beim zweiten Dinner ein angebrochener, ganz offensichtlich gekippter Wein serviert wird. Das ist alles nachvollziehbar, aber einem Vollzahler nicht zuzumuten. Entsprechend enttäuscht sind die Schweizer Gäste auch, die direkt den Finger in die Wunde legen: "Beim Personal ist noch viel Luft nach oben."

Bei meinen Fatbike-Künsten offensichtlich auch: Bei der Offroad-Tour am nächsten Morgen mache ich unsanft Bekanntschaft mit dem Wüstenboden und verletze mir das linke Daumengelenk ­– Greifen ist nun unmöglich. Und wieder rettet Anton die Lage: Wie gerufen erscheint er just in dem Moment in seinem Wägelchen und fährt mich zurück zur Lodge. Nach dem Verarzten spendiert er mir für den späten Nachmittag als kleines Trostpflaster eine Rückenmassage. Was soll ich sagen: Marianna, Herrin des edlen Spas in Lehmbau-Optik, hat magische Hände, die einen sämtliche Wehwehchen vergessen lassen. Und ausgesprochen erschwinglich ist das Ganze auch noch, wie ein Blick in die Spa-Broschüre beweist. Allerdings muss man sich die kleine Auszeit verdienen: Von meinem Zelt sind es 138 Stufen zum Spa und Pool-Bereich hinunter, die auf dem Rückweg wieder erklommen werden müssen. Generell ist die Lodge nichts für Menschen mit eingeschränkter Mobilität, da man ohne Treppensteigen nicht weit kommt.

Aller guten Lodges sind drei: Am nächsten Tag geht es zurück Richtung Windhoek. Ohne die Stadtgrenze zu überschreiten: Die Omaanda-Lodge von Zannier liegt außerhalb der Hauptstadt im Naankuse Wildlife Sanctuary. Das Timing bei der Ankunft am Abend ist perfekt: Über dem Wasserloch direkt vor dem Hauptgebäude gibt der Himmel mit einem filmreifen Sonnenuntergangsspektakel an, und im Wasser machen Frösche die wohl lustigen Blubber-Geräusche, die die Natur hervorbringen kann. Das vorzügliche Abendessen, das die bisherige Kulinarik locker in die Tasche steckt, kann allerdings nicht gänzlich darüber hinweg trösten, dass ich mich hier und jetzt von Franco verabschieden muss. Dass in meiner Unterkunft weder Klimaanlage noch Telefon funktionieren (obwohl man mir bei dem exzellenten Rooming dreimal einschärft, welche Notrufnummer ich nachts im Fall der Fälle zu wählen habe, da nach 23 Uhr kein Personal mehr vor Ort ist) macht's nicht besser. Allein bin ich trotzdem nicht: Im Zimmer wohnen zahllose Insekten jeglicher Couleur sowie ein Gecko, der sich wohl im Schlaraffenland wähnt.

Ja, auch klitzekleines "local wildlife" gehört zum südlichen Afrika dazu. Trotzdem bekomme ich kein Auge zu und werde nachts zur Vielfach-Mörderin bei dem verzweifelten Versuch, Spinnen, Käfer und Motten so gut es geht auf Abstand zu halten. Pro-Tipp: Verwenden Sie nicht, wirklich niemals, das Anti-Mückenspray, das auf dem Nachttisch steht. Denn es wirkt: Mücken scheine ich damit zwar nicht gemeuchelt zu haben, aber die ganze Nacht über rieseln tote kleine Insekten von der Zimmerdecke auf mein Bett nieder.

Am nächsten Morgen vergesse ich jegliche Müdigkeit, denn ich fahre in einem kitschigen Gemälde herum. Die leuchtenden, ineinander verwischenden Farben, die der Himmel hier hervorbringt, möchte man einfach nur für immer ins Gedächtnis brennen. Mein Guide scheint nicht zum Hotel zu gehören, sondern ein externer Anbieter zu sein. So ganz genau lässt sich das aber nicht herausfinden, da er sich weder vorstellt noch sonst irgendwie gesprächig ist. Da ich der einzige Gast auf der morgendlichen "Meerkat Manners" Tour bin, starren wir beide schweigend stundenlang auf das pitschnasse Gras, aber kein einziges Erdmännchen zeigt sich. Zu kalt, zu feucht. Verständlich, aber trotzdem schade, da die putzigen kleinen Kerlchen weit oben auf meiner tierischen Bucket List rangieren.

Der junge Ranger versucht alles, checkt diverse Lieblingsstellen der Tiere, lugt in Höhleneingänge und weigert sich aufzugeben. Zwischendrin fährt er mich – wohl aus Mitleid – bei zwei selig grasenden Nashörnern vorbei. Schließlich beschließen wir, es am Nachmittag nochmals zu probieren, wenn die Sonne das Gras getrocknet hat. Doch da haben wir die Rechnung ohne die deutsche Regierung gemacht …

Ein bisschen Zeit auf dem Zimmer ist jetzt auch nicht verkehrt, obwohl der Restaurant-Bar-Lobby-Bereich wirklich einladend gestaltet ist. Und das Frühstück sammelt wieder jede Menge Pluspunkte! Die "Zimmer" sind eigentlich kleine runde Hütten, die dem traditionellen namibischen Baustil nachempfunden sind. Ich bin in Zimmer 4 untergebracht: Es hat den besten Blick aufs Wasserloch, und die Veranda wird auf Anhieb mein Lieblingsspot. Drinnen gefällt mir vor allem die Liebe zum Detail, die sich von der schnuckeligen Coffee Bar bis hin zum perfekt ausgestatteten Badezimmer zieht. Und hatte ich schon erwähnt, dass man von der Badewanne sowohl auf den Sonnenuntergang als auch aufs Wasserloch guckt?! Erleichtert stelle ich fest, dass sowohl Klimaanlage als auch Telefon jetzt einwandfrei funktionieren. Weniger schön ist, dass sowohl die tote Kakerlake im Regal als auch das staubige Spinnennetz im begehbaren Kleiderschrank immer noch da sind – obwohl das Zimmer bereits frisch gemacht wurde. Beide bleiben bis zu meiner Abreise unbehelligt, obwohl sie eigentlich nur schwer zu übersehen sind.

Nachmittags soll dann der nächste Erdmännchen-Versuch erfolgen, doch Pustekuchen: Just bevor ich in den Safari-Jeep steigen kann, klingelt mein Handy. Tristan Cowley, Mit-Gründer und -Inhaber von Ultimate Safaris ist dran – und er klingt ganz und gar nicht glücklich: Das RKI hat Namibia kurzfristig vom Risikogebiet zum Hochrisiko-Gebiet hochgestuft. Bedeutet: Ich darf den Flieger für den Rückflug nur betreten, wenn ich vorab einen negativen Test vorweisen kann. Auf PCR-Tests gibt es in Namibia aktuell eine Wartezeit von rund drei Wochen, und aufgrund der knappen Kapazitäten stehen die Tests Touristen momentan auch gar nicht zur Verfügung. Und die klassischen Antigen-Schnelltests mit Abstrich gibt es hierzulande nicht. Mir bleiben 18 Stunden bis zum Rückflug. Doch ich wäre nicht so begeistert von Tristan und seiner DMC, wenn er nicht auch dafür eine Lösung hätte. Nur dank seiner exzellenten Beziehungen im Land werde ich nach einer knappen Stunde getestet – mit einem der wenigen eingeflogenen Antigen-Tests, die die deutschen Behörden anerkennen. Anschließend bleibt er die halbe Nacht und den sehr frühen Morgen an dem Thema dran, bis mein negatives Testergebnis vorliegt – elf Minuten vor Abfahrt zum Flughafen, gerade noch rechtzeitig zum Ausdrucken. Hallelujah!

Doch wenn Sie jetzt denken, dass alle Hindernisse ausgeräumt sind, dann kennen Sie wohl meine "Lieblingsairline" nicht. Und schließlich soll Luxury Dreams, der eingangs so vehement von mir eingeforderte Veranstalter, auch noch seinen großen Auftritt in dieser Story haben. Bitte sehr: Am Check-in teilt mir die Airline mit, dass man mich leider nicht mitnehmen kann, weil ja mein Flugticket storniert worden wäre. Rigoros schiebt man mir erst die Schuld zu und mich dann beiseite. Auftritt Luxury Dreams: Perfekte Erreichbarkeit an einem Sonntagmorgen, keine einzige Klage, weil ich von Namibia aus über den regulären Mobilfunk anrufe und damit vermutlich höllische Kosten verursache, und die sofortige Rückbestätigung, dass mein Ticket sowohl bezahlt als auch aktiv ist. Nun erklärt sich die Airline immerhin bereit, der Sache auf den Grund zu gehen (wohl auch, weil immer mehr Passagiere mit dem gleichen Problem auftauchen). Ups, Systemfehler! Wer hätte das gedacht. Und keine 30 Minuten später sitze ich bei einem spritzigen Glas Champagner im abhebenden Flieger. Das war knapp!


Diese Reise wurde unterstützt von andBeyond, Luxury Dreams, Ultimate Safaris und Zannier Hotels. Die Kooperation hat selbstverständlich keinen Einfluss auf die redaktionelle Berichterstattung. Luxury Dreams hat eine einwöchige Kurzreise im Portfolio, die jeweils zwei Übernachtungen in den hier getesteten Lodges sowie den Flug ab/bis Deutschland beinhaltet. Preis: ab 6.499 Euro pro Person im DZ mit Flug in der Economy Class. Für individuelle Anfragen steht Meike Wenzel per E-Mail unter meike.wenzel@luxurydreams.de und Telefon 030-21 96 56 90 zur Verfügung.

TOP 5: NAMIBIA-TIPPS VON LUXURY DREAMS


  1. Die höchsten Dünen der Welt besteigen: die Sossusvlei Dünen im Namib-Naukluft-Park
  2. Die Sterne im International Dark Sky Reserve beobachten (nahe Zannier Sonop)
  3. Die Wildtier-Klinik im Shiloh Wildlife Sanctuary besuchen (nahe Zannier Omaanda)
  4. Die riesigen Salzpfannen mit Wasserlöchern und wilden Tieren im Etosha Nationalpark bestaunen
  5. Den Sambesi-Fluss am östlichsten Punkt Namibias besuchen und die Täler des Caprivi-Streifens bewundern