Ausprobiert: Cleo – Queen of the Nile
Eine Fahrt auf dem ägyptischen Nil ist ein klassisches Bucket List Item. Den kann man mit einem ziemlich großen Hotelschiff abhaken – oder mit einer Luxus-Dahabeya. Nile in Style? Yes, please! Das ist die Mission von Cleo, einem nagelneuen Nilschiff, das für anspruchsvolle Gäste entworfen wurde. Auf einem Fam-Trip von Luxor nach Assuan soll sich zeigen, ob sie diese hohen Erwartungen erfüllt. Erlebnisbericht von LuxusInsider Senior Editor Cathrin Lührs
Das Schiff
Schon mal vorweg: Die schwimmende Lady macht einen Unterschied auf dem Nil. Einen großen sogar! Das fängt schon bei ihrer Größe an. Gemessen an herkömmlichen Nilschiffen, die wie schwimmende Hotels daherkommen, wirkt Cleo mit ihren 55 Metern Länge und acht Metern Breite wie ein Zwerg – im positiven Sinn. Denn die Dahabeya, wie diese traditionellen Segelschiffe genannt werden, hat nur ein Kabinendeck und ein Sundeck, auf dem sich jegliches Socialising und das Leben an Bord abspielt. Das macht es nicht nur übersichtlich, sondern sorgt sehr schnell für eine familiäre Atmosphäre.
Dahabeyas haben am Bug und Heck jeweils ein Segel, die bei genügend Wind für den Antrieb sorgen. Vor allem flussaufwärts, also von Luxor nach Assuan, funktioniert das jedoch oft nicht so gut, da Cleo dann gegen den Strom segeln muss. Die Lösung: Dahabeyas haben immer einen eigenen Schlepper dabei, der das Schiff zieht. Der Abstand ist groß genug, damit die Motorengeräusche nicht stören. Übrigens: Cleo ist noch ein Nil-Neuling. Im Dezember 2025 hat sie ihre erste Tour auf dem Fluss gemacht.
Das Konzept
Die Idee der Melc Travel Group, die das Schiff entworfen hat und betreibt, ist einfach: Cruising the Nile in Style. Vor allem im Vollcharter soll Cleo den mutmaßlich längsten Fluss der Welt bereisen, aber auf Anfrage sind auch Zubucher möglich. Jeweils samstags geht es von Luxor nach Assuan, und donnerstags return. Und schon in Luxor können die Gäste erkennen, was das Besondere an einer Nilreise auf einer Dahabeya ist: der Liegeplatz. Während sich an Luxors Promenade die vergleichsweise riesigen Nilschiffe fast schon stapeln, liegt Cleo ein paar Kilometer außerhalb des Zentrums. Wer den Liegeplatz nicht kennt, wird ihn kaum finden: Bei meiner Anreise dachte ich, der Fahrer wäre falsch gefahren, als er den Blinker setzte und in eine schmale Passage zwischen Bananenstauden einbog. Doch nach wenigen hundert Metern tauchte tatsächlich die Cleo vor mir auf. Wow!
Die Sache mit den Liegeplätzen zieht sich durch die Reise. Durch den sehr geringen Tiefgang von unter zwei Metern können Dahabeyas an Orten festmachen, an die gewöhnliche Nilschiffe nie kommen. Einsame Insel im Nil? Check! Den alten Sandsteinbruch Gebel El Silsileh? Haben Cleo-Gäste quasi für sich allein. Im Einsatz ist die Dahabeya übrigens elf Monate im Jahr, der August ist für Maintenance reserviert. Kleinere Dinge werden sogar nach jeder Reise wieder instandgesetzt.
Die Kabinen
An Bord von Cleo fühlt man sich schnell angekommen und zuhause. Dazu tragen auch die Kabinen bei. Nur zehn Stück gibt es an Bord – und diese Tatsache lässt das Schiff ein bisschen wie eine private Villa wirken. Das Highlight sind die beiden Suiten mit privatem Balkon im Heck. Der Innenbereich misst 24 Quadratmeter, der Balkon fünf. Die weiteren Kabinen-Kategorien sind jeweils vier Deluxe Twin Bed und vier Deluxe Double Bed mit je 15 Quadratmetern. In Sachen Design lässt sich Cleo nicht lumpen: Schicke Holzmöbel, durchdachte Betten (ja, der Koffer passt unters extra erhöhte Bett) mit äußerst bequemer Matratze, Holzböden und farblich passenden Bildern. Von dem hohen Bett aus kann man prima rausgucken! Und klar, dass die Bettwäsche aus hochwertiger ägyptischer Baumwolle besteht, oder?
Ich bewohne eine Twin-Bed-Kabine und bin anfangs froh, dass ich die nicht teilen muss. Denn: Der Platz im Schrank ist recht überschaubar. Die dort untergebrachte Mini-Bar klaut einiges an Raum, ebenso der Safe. Meine Sachen finden alle Platz, aber zu zweit wäre es mir doch etwas zu eng. Erst später sehe ich, dass über dem Schrank mit den Flügeltüren noch eine weitere "Etage" ist. Die liegt aber so hoch, dass sie außerhalb meiner Reichweite ist. Gut zu wissen: Auf Nachfrage gibt es jederzeit mehr Kleiderbügel!
Mit dem Platz kämpfe ich auch im optisch sehr schönen und eleganten Bad. Der Waschtisch ist schmal, die wenigen Ablageflächen bereits belegt mit Handtuch-Spender und einem großen Schälchen für die Amenities und die Seife. Kurzerhand baue ich das etwas um, und schon passt es ganz gut. Dennoch: Ein wenig mehr clever nutzbare Ablageflächen wären prima, vor allem, wenn zwei Personen die Kabine nutzen. Aber: In den beiden Suiten gibt es im Bad auf jeden Fall mehr Platz!
Die Kulinarik
Für das leibliche Wohl der maximal 20 Gäste an Bord sorgen drei Köche. Auf kleinem Raum unter Deck erschaffen sie allerlei Köstlichkeiten. Vor allem die Desserts können sich sehen lassen. Da wird schon mal an Deck flambiert oder frisch hergestelltes Vanilleeis mit Lemon-Soße serviert. Hallo, Geschmacksexplosion!
Während meines Fam-Trips war das Menü vorgeplant und es gab viel Fleisch und Fisch, oft mit ägyptischen oder auch mal asiatischen oder italienischen Einflüssen. Vegetarier oder Veganer waren keine an Bord. Reisen sie jedoch mit, stellt sich die Küche auf alle Besonderheiten ein. Die Gäste erhalten vor der Reise einen ausführlichen Fragebogen und können ihre Allergien angeben und bei einem Vollcharter natürlich auch Einfluss auf das Menü nehmen. Ein Highlight ist alles, was gebacken wurde, denn an Bord findet sogar eine eigene Bäckerei Platz. Unbedingt probieren! Zum Beispiel beim Frühstück, das in Büffetform auf dem Sun Deck aufgebaut wird – inklusive Live-Cooking-Station für Omelett-Wünsche.
Und wenn Eure Gäste wortwörtlich plötzlich ein Zwitschern im Ohr haben, ist es Zeit für den täglichen Afternoon Tea, der in der Lounge unter Deck gereicht wird. Der wird nämlich über die Bordlautsprecher durch eben jenes Vogelgepiepse angekündigt. Und was den Alkohol angeht: Ausgeschenkt werden ausschließlich lokale Premium Brands, anderes ist aus Lizenzgründen nicht erlaubt. Gäste dürfen aber selbst etwas mit an Bord bringen.
Sinneseindrücke
So fühlt sich der Aufenthalt an
Family Style
Die Cleo mutet vom ersten Augenblick an wie das persönliche schwimmende Wohnzimmer und man fühlt sich gleich willkommen.
Sanftes Schippern
Erstaunlich, was der Nil mit einem macht. Da in der Low Season kaum Schiffe unterwegs sind, kommt man auf dem oft spiegelglatten Wasser zur Ruhe.
Königliche Größe
Size matters – in diesem Fall fühlt sich die geringe Größe des Schiffs nach besonders elegantem Reisen an. Klasse statt Masse ist hier Programm.
Ägypten-Feeling
Unaufdringliche Details wie Sessel mit Hieroglyphen-Muster etwa sorgen für den Sense of Place. Ans Ufer gucken unterstreicht das nochmals!
Der Außenbereich
Das luftige Sun Deck ist in fünf Bereiche unterteilt: Das vordere Deck, von dem aus man an Land geht, das sogenannten Sailing Deck mit gemütlichen Bänken, den Bar- und Lounge-Bereich für alle Mahlzeiten, die Relaxing Lounge (Foto) mit Sofas und Sesseln zum Chillen sowie das Pool Deck. Dort gibt es vier Liegen, ein großes Daybed sowie einen Jacuzzi. Der wird täglich neu befüllt und ist morgens somit eine sehr frische Abkühlung, am Nachmittag jedoch eine blubbernde Badewanne. Aber: It's all about the view! Und Getränke liefert die Crew auch direkt zum blubbernden Nass.
Bis auf das Pool Deck und das vordere Deck ist der gesamte Outdoor-Bereich überdaccht und es gibt Schatten. Scheint die Sonne mal zu doll auf einen Sitzbereich, lassen sich die Seiten der Cleo partiell mit großen Vorhängen verdunklen. Clever, denn so kann man an anderen Stellen noch die wirklich schöne und für mich überraschend grüne Aussicht auf die Nilufer genießen. Und wer genug gechillt hat, sucht sich einen Spielparter für Scrabble & Co, denn auch eine Auswahl Gesellschaftsspiele ist an Bord vorhanden.
Die Ausflüge
Was wäre eine Nilkreuzfahrt ohne den Besuch altägyptischer Stätten? Genau, nichts! Auf jeder Reise der Cleo ist ein Ägyptologe an Bord, der sein Wissen an die Gäste weitergibt und sie in die Tempelanlagen begleitet. Und das ist Gold wert! Unser Guide Hedra spricht Deutsch und kennt unzählige Fakten und Details, die er der Gruppe sehr anschaulich per "Familienaufstellung" weitergibt. So haben wir für die Dauer der Reise unter anderem auch die Götter Horus, Hathor, Osiris und Isis an Bord.
Zum Standardprogramm jeder Cleo-Reise gehören das Tal der Könige, der Hatschepsuth-Tempel, der Luxor-Tempel, der Tempel von Karnak (Foto) und die Sphinx-Allee in Luxor, der Horus-Tempel in Edfu (den wir komplett für uns hatten!), der Sandsteinbruch Gebel El Silsileh samt Gräbern, der Tempel Kom Ombo in Assuan und der Isis-Tempel auf der Insel Philae. Abweichungen davon können Gäste im Vorfeld mit der Crew besprechen, die übrigens aus 18 Personen (bei maximal 20 Gästen!) besteht.
Grundsätzlich gilt: Je mehr Hochsaison, desto voller die Tempelanlagen! Und Schlange stehen ist übrigens natürlich auch nicht. Für Cleo-Gäste werden die Tickets im Vorfeld besorgt.
Die Experiences
Wie gesagt: Eine Dahabeya kann fast überall anlegen – auch an kleinen Inseln im Nil. Dort wird für die Gäste ein Barbecue aufgebaut, oder, wie in unserer Gruppe, auch mal ein besonderes Setting für einen runden Geburtstag gefeiert (Foto). Da zur Melc Travel Group auch eine DMC gehört, macht das Team um CEO Azza Zaghloul viele Dinge möglich. Deine Gäste möchten etwa die Pyramiden von Gizeh mal ganz für sich alleine haben? Oder das Grand Egyptian Museum? Consider it done.
Das Gleiche gilt für bestimmte Gräber im Tal der Könige oder die großen Tempelanlagen, Sakkara, die Pyramiden, die Sphinx sowie Paläste. Der Vorlauf: etwa zwei Monate. Einiges erfordert einen Aufenthalt vor oder nach der Nilreise (Kairo-Experiences etwa), anderes geht auch parallel. In Luxor können die Gäste auch früh morgens mit Heißluftballons über das Tal der Könige schweben. Gut zu wissen: Im Oktober und November kann die Cleo bei Niedrigwasser auch bis Kairo fahren.
Und auch die Ufer des Nils können die Cleo-Gäste erkunden. Auf einem Spaziergang durch die Felder erklärt der Guide Wissenswertes über das Leben und die Natur in Ägypten. Und wer gern mal im Nil schwimmen möchte, bekommt an einer Mini-Badestelle auch diesen Wunsch erfüllt.
Der Service
Allein für die Herzlichkeit bekommt diese Crew eine Eins mit Sternchen! Dass sie ihren Job mögen, spürt man von Sekunde eins an. Mit einem herzlichen Lächeln, einem kühlen Handtuch und Willkommens-Drink empfängt uns das Team nach jedem Ausflug. Da es keine klassische Barkarte gibt, kreiert die Gruppe im Laufe der Reisetage immer neue Drinks, die flugs umgesetzt und ins Repertoire genommen werden. Schön für deutsche Gäste: Einige der Service-Mitarbeiter sprechen Deutsch und tun dies auch gern. Mit Englisch kommt man aber in jedem Fall weiter. Woran ich jedoch gescheitert bin, ist die Abbestellung des Salat-Gangs, den ich schlicht nicht haben wollte. Trotz täglicher Reminder wurde der Salat bei jeder Mahlzeit serviert. Kein Drama, aber ein wenig mehr Augenmerk auf Gäste-Prioritäten darf es sein, schließlich ist die Gruppe ja klein.
Doch solch klitzekleine Glitches sind schnell vergessen, wenn man sieht, wie die Crew es genießt, den Gästen eine schöne Zeit bescheren zu können. Bei ägyptischer Live-Musik beim Barbecue wird am Rand mitgetanzt und geklatscht und zum Abschied beschert uns die Crew eine sehr emotionale Tanz- und Gesangsdarbietung, bei der sogar Tränchen flossen. Shukran!
What We Loved
✔ Tschüß, ägyptische Sonne! Alle Kabinen haben Rolläden, damit niemand reingucken und man den Raum schön kühl halten kann. ✔ Das Feature gibt's auch im Bad, denn in der Dusche ist ein Fenster. Duschen mit Blick auf den Nil ist next level! ✔ Aus wenig Platz mach mehr: Der kleine Schreibtisch hat einen Auszug, damit Laptop & Co mehr Platz haben ✔ Die Reisegeschwindigkeit samt Aussicht auf die grünen Nilufer samt Vogelwelt ist total entspannend. ✔ Die Herzlichkeit an Bord – da kam Familien-Gefühl auf! ✔ Die Saison: Ja, es ist heiß, dafür sind die Tempelanlagen deutlich weniger besucht.
Not So Much
✖ Der Safe ist etwas tricky: Plötzlich waren meine Sachen eingesperrt, ohne dass ich einen Code eingegeben habe. Hilfe kam aber schnell. ✖ Die Wünsche der Gäste beim Servieren von Speisen und Getränken wurden des Öfteren durcheinander gebracht. ✖ Das Service-Personal serviert mit Gummihandschuhen – das sendet leider leichte Arzt-Vibes aus.
Fotos: Cleo (7), LuxusInsider (2), Boosterbees Media (1)
Fazit
Man muss schon suchen, um auf dem Nil ein vergleichbares Produkt zu finden. Cleo unterscheidet sich von den großen Nilschiffen vor allem durch das offene Deck und dazugehörige Outdoor-Gefühl, dazu kommt das moderne Design. Wer stilvoll auf dem Nil reisen möchte, findet auf der Dahabeya alles, was er braucht und bekommt noch authentisch-ägyptische Gastlichkeit on top. Und das ist Cleos absoluter USP. Das Schiff ist Teil von Lobster Essentials, einer Marke der Repräsentanz Lobster Experience. Dahinter verbirgt sich eine kuratierte Kollektion ungewöhnlicher Luxusprodukte, die sich nicht über Größe oder Standardisierung definieren, sondern über eine klare Haltung. Gäste der Cleo erhalten Zugang zu besonderen Orten, die anderen verborgen bleiben. Und auch, wenn es sich bei der Cleo nicht um ein klassisches Luxuskreuzfahrtschiff handelt, muss sich Cleo keinesfalls verstecken. Auf ihr fühlen sich Gäste wohl, die tief in die ägyptische Kultur eintauchen möchten, die Gastfreundschaft des Landes kennenlernen und die Reise auf dem Nil mit dem größtmöglichen Komfort genießen wollen. Übrigens: Cleo bekommt eine Schwester, die ab 2028 auf dem Nil fahren soll und voraussichtlich ausschließlich Suiten für ihre Gäste bereithalten wird.
Kontakt für Reiseprofis: Astrid Oberhummer, CEO & Founder von Lobster Experience