Kreuzfahrten

Neue Sterne am Expeditionshimmel

Langsam trudeln sie ein: Die Nachrichten, auf die wir lange gewartet haben. Und zwar die vom Neustart der Kreuzfahrten – wenn auch bei einigen Reedereien nur für vollständig Geimpfte. Für viele Unternehmen kommt diese Möglichkeit der Wiederaufnahme der Reisen genau zu richtigen Zeitpunkt, denn sie haben Neubauten in den Startlöchern, die noch in diesem Jahr zu ihrer Jungfernfahrt aufbrechen sollen. Das Besondere daran: 2021 werden soviele Luxus-Expeditionsschiffe in den Markt kommen wie nie zuvor. Das Nischen-Segment nimmt stark an Fahrt auf – und beträgt dennoch gemeinsam mit den Luxuskreuzfahrten nur 2,6 Prozent vom gesamten Marktvolumen. Da ist also noch Luft nach oben! LuxusInsider stellt Ihnen die wichtigsten neuen Luxus-Expeditionschiffe für den DACH-Markt vor.

Crystal Cruises, Crystal Endeavor

Begleitet von den guten Wünschen der isländischen Elfen wird das neue, 164,5 Meter lange Luxus-Expeditionsschiff von Crystal Cruises am 17. Juli erstmals mit Gästen ablegen. Ab Reykjavik geht es in zehn Tagen rund um Island. Die Eisklasse PC 6 wird in dem Fahrtgebiet noch nicht gebraucht, dafür aber bei späteren Touren ins Eis der Arktis und Antarktis. Die Crystal Endeavor bietet Platz für 200 Gäste, um die sich 206 Crew-Mitglieder kümmern. Auf dem neuen Schiff wird es ausschließlich Suiten geben, und zwar in vier Kategorien: Deluxe Suites (90), Penthouse Suites (8), Expedition Penthouse und Owner's Suite. Alle Unterkünfte haben eine private Veranda sowie privaten Butler-Service. Laut der Reederei wird die Crystal Endeavor das einzige Expeditionsschiff mit einem Casino an Bord sein. Für die Ausflüge ist sie mit einem U-Boot für sechs Personen plus dem Piloten, zwei Helikoptern, 18 Zodiacs und 14 Hochsee-Kayaks ausgestattet. Nice: Eine spezielle Technik sendet Unterwasserbilder an die Bildschirme auf dem Schiff. Die Expeditionen werden von einem 25-köpfigen Team aus Experten gestaltet. Kulinarische Highlights gibt es unter anderem in der von Edel-Koch Nobu Matsuhisa inspirierten Umi Uma & Sushi Bar. Vier weitere Restaurants sorgen für Gaumenfreuden aus anderen Teilen der Welt.

Kontakt: Suzanne Kochen, Regional Sales Manager Europe Crystal Cruises

Compagnie du Ponant, Le Commandant Charcot

Elegant und stylish in hellen Farben ist der neueste Zugang der Ponant-Flotte gestaltet. Aktuell befindet sich die Le Commandant Charcot noch im Bau, im Juli soll sie dann zu ihrer ersten Reise ins ewige Eis starten. Dafür geht es zum geografischen Nordpol, Startpunkt ist Spitzbergen. Ebenfalls im Fahrplan sind Touren zu den Kaiserpinguinen in der Bellinghausen-See und zur totalen Sonnenfinsternis im Weddell-Meer. Le Commandant Charcot ist mit der Eisklasse PC 2 ausgestattet. Bei einer Länge von 150 Metern gibt es Platz für 135 Kabinen und Suiten mit Balkon oder Veranda und bis zu 270 Gäste. Die Crew ist mit 190 Mitgliedern für die Gäste da. Umweltschutz ist ein großes Thema bei Ponant, daher ist das neue Expeditionsschiff mit einem Hybridantrieb – LNG und Batterien – ausgestattet. An Bord befindet sich ein wissenschaftliches Forschungslabor, Naturführer sorgen dafür, dass die Passagiere bestens auf ihre Expeditionen vorbereitet sind. Anlandungen werden mit den 16 bordeigenen Zodiacs gemacht, zusätzlich sind neue Aktivitäten wie Hundeschlittenfahrten, Fahrten mit Luftkissenfahrzeugen oder Polartauchen buchbar. Gespeist wird in zwei Restaurants, für Entspannung sorgt der 430 Quadratmeter große Spa-Bereich auf Deck 9.

Kontakt: Sales Manager Andrea Hendel von Ponant

Hapag-Lloyd Cruises, Hanseatic Spirit

Nicht mehr lange bis auch der dritte, 138 Meter lange Expeditions-Neubau des Hamburger Unternehmens über die Weltmeere kreuzt. Ausgestattet mit hell eingerichteten Kabinen und Suiten (21 bis 71 Quadratmeter) hat das Schiff Platz für 230 Passagiere, bei Antarktis- und Spitzbergen-Umrundungen sind es maximal 199. Alle Badezimmer sind mit Regenduschen ausgestattet, in den Junior und Grand Suiten gibt es zusätzlich eine Dampfsauna im Duschbereich. Rund um die Uhr sorgt die 175 Crew-Mitglieder starke Besatzung für Service in der Kabine. Um bestens für die Expeditionen ausgestattet zu sein, finden die Gäste ein Svarowski-Fernglas in ihrer Kabine vor. Alle Reisen auf der Hanseatic Spirit, dem einzigen Adults-Only-Schiff der Flotte, sind ausschließlich deutschsprachig. Dazu passt auch ihre Jungfernfahrt, die am 26. August in Hamburg startet und über Helgoland, Dänemark und Schweden nach Rügen führt. Wie ihre Schwesternschiffe ist die Hanseatic Spirit mit drei Restaurants ausgestattet, eins davon ist das Spezialitäten-Restaurant L'esprit, das französische Speisen serviert. Ebenfalls an Bord: ein Poolbereich (Foto) sowie ein Ocean Spa. Hapag-Lloyd Cruises bietet seinen Gästen je nach Region Ausflüge mit Zodiacs, Wanderungen, Kayak-Touren oder Stand-Up-Paddling an, Experten vermitteln Expeditionswissen. Das Schiff besitzt die Eisklasse PC 6.

Kontakt: Vertriebschef Carsten Sühring von Hapag-Lloyd Cruises

Quark Expeditions, Ultramarine

Nichts als Suiten erwartet die Gäste des Neuzugangs von Quark Expeditions, insgesamt gibt es davon 102 für 199 Passagiere in neun Kategorien. Den meisten Platz bietet mit 52 Quadratmetern die Ultra Suite. Die Einrichtung ist modern und in warmen Erdtönen gehalten – ein schöner Kontrast zu dem Eis außerhalb des Schiffs. Mit den Eisklassen A1 Plus und PC 6 ausgestattet, ist die Ultramarine vor allem in arktischen und antarktischen Gewässern unterwegs. Dort bietet die Reederei Ausflüge an ­– in 20 Zodiacs oder hoch in der Luft mit den zwei bordeigenen Helikoptern. Die Gäste können je nach Region auch zu Heli-Wanderungen oder Heli-Kayaking aufbrechen. Coole Highlights: Ein Eisschollen-Abenteuer per Helikopter und ein Camp Abenteuer in Grönland. Gespeist wird an Bord in zwei Restaurants, Unterhaltung und Vorlesungen gibt es im Ambassador Theatre. Gut zu wissen: Die Jungfernfahrt "Essential Greenland: Southern Coasts and Disko Bay" ist für den 25. Juni geplant. Gestartet wird in Reykjavik. Auf der Ultramarine werden auch deutschsprachige Reisen angeboten, etwa am 16. und 23. Juli 2022 mit Ziel Arktis. Entsprechende Touren in die Antarktis finden etwa am 9. November 2022 und am 18. Januar 2023 statt.

Kontakt: Business Development Manager Europe Christiane Bach von Quark Expeditions

Seabourn Cruise Line, Seabourn Venture

Elegant und trotzdem eisfest: Ab 12. Dezember 2021 will auch Seabourn Cruises mit der Seabourn Venture ins Expeditionsgeschäft einsteigen. Die erste Fahrt für das erste von zwei baugleichen Schiffen führt in zwölf Tagen zum Nordkap und zu den Polarlichtern Norwegens. Trotz der Eisklasse PC 6 wird die Venture nicht nur zwischen Eisbergen kreuzen: Auch Touren durch den Panamakanal, in die Karibik und entlang der Küste Südamerikas stehen im Reiseplan. Der Neubau wartet mit 132 Suiten auf, von denen jede eine eigene Veranda hat. Toppen kann das nur die Grand Wintergarden Suite: Sie geht über zwei Etagen, ist 130 Quadratmeter groß und besitzt zwei Veranden. Cooles Feature: Die Kleiderschränke in den Suiten sind beheizt. Für Expeditionen ist das Schiff bestens ausgerüstet. Neben zwei U-Booten für jeweils sechs Personen, die speziell für Expeditionskreuzfahrten angefertigt sind, hat die Venture 24 Zodiacs für Anlandungen an Bord. Eine sogenannte Cineflex-Kamera sorgt für besondere Tierbeobachtungen und eine spezielle Gangway ermöglich das Betreten von Packeis. Auch Genuss-Fans kommen auf ihre Kosten: Geschlemmt wird an acht Orten auf dem Luxusschiff. Nicht verpassen: die Panorama-Sauna auf Deck 7!

Kontakt: Business Development Manager Francisco Sanchez von der Seabourn-Muttergesellschaft Holland America Line

Silversea Cruises, Silver Origin

Bereits seit Längerem ist der Neubau fertig, darf aber wegen der Pandemie bisher nicht in See stechen. Dabei wird die Silver Origin im Markt heiß ersehnt, denn sie ist das erste Schiff der Reederei, das speziell für ein Fahrtgebiet gebaut wurde: die Galapagos-Inseln. Aktuell liegt die Silver Origin in Manta in Ekuador und wartet darauf, am 5. Juni die ersten Gäste an Bord begrüßen zu dürfen. Die Fahrt führt in sieben Tagen von San Cristobál nach Baltra. Später im Jahr werden auch längere Reisen angeboten. Die Silver Origin kann 100 Gäste beherbergen und bietet ein Crew-Gäste-Verhältnis von 1:1. Für jede der modern und hell eingerichteten Suiten in acht Kategorien gibt es Butler-Service rund um die Uhr, in den beiden Restaurants sorgen Spitzenköche für kreative ekuadorianische und internationale Menüs. Weiteres Highlight: Durch die bodentiefen Fenster der Silver Origin hat man die außergewöhnliche Landschaft des Archipels jederzeit im Blick. Silversea bezeichnet das Basecamp, eine Art Lounge zur Vorbereitung auf die Expeditionen, als Herz des Schiffs. Die Ausflüge werden begleitet durch von den Naturparks zertifizierte Experten. Die Expeditionsausrüstung finden die Gäste auf ihren Suiten vor.

Kontakt: Andreas Nüssel, Managing Director Europe bei Silversea Cruises

Swan Hellenic, Minerva

Die Traditionsmarke Swan Hellenic wird für das Geschäft mit Expeditionskreuzfahrten wiederbelebt. Als erste von drei auf der Reederei-eigenen Werft in Finnland gefertigten Neubauten wird die Minerva (Eisklasse PC 5) Ende November unter der Londoner Tower Bridge getauft. Die Premierenreise zur Sonnenfinsternis in der Antarktis ist ausgebucht. Mit einer Länge von 115 Metern ist die Minerva kompakt und bietet Platz für 152 Gäste und 120 Crew-Mitglieder. Die gesamte Einrichtung hat einen skandinavischen Touch, den man auch in den 76 Kabinen und sechs Suiten wiederfindet. Zwei Restaurants gibt es an Bord, dazu ein Spa mit Sauna und Lounges zum Verweilen sowie ein Expedition Lab. Lektoren halten Vorträge zu den Exkursionen, auf jeder Reise auch auf deutsch. Für die Ausflüge werden Zodiacs genutzt. Je nach Ziel sind die Flüge sowie eine Hotelnacht inklusive. Das gilt auch für alle Mahlzeiten, die meisten Getränke sowie die Exkursionsprogramme. Im April 2022 folgt das Schwesterschiff Vega. Dann gibt es auch zwei Kombi-Reisen, bei denen man in Dudinka auf das Luxus-Flusschiff Maxim Gorki wechselt und den Jenissei erkundet. Gut zu wissen: Am 29. Oktober können Reisebüros die Minerva in Hamburg besichtigen.

Kontakt: Alfredo Spadon, Senior Vice President Sales and Marketing Swan Hellenic Cruises

Das sagt die Branche

Die Pandemie hat das Reisen verändert, erst langsam nimmt die Kreuzfahrt wieder Fahrt auf. Welche Perspektive sehen Sie für Expeditionskreuzfahrten?

"Die Marktentwicklung für Expeditionskreuzfahrten sehe ich voller Zuversicht. Viele neue Expeditionsschiffe werden in Betrieb genommen, das einstige Nischensegment Expedition wird weiter wachsen und zunehmend auch tropische Fahrtgebiete erreichen. Mit der Erweiterung der Kapazitäten werden auch in Fahrtgebieten außerhalb von Arktis und Antarktis mehr Angebote im Markt sein und jene Kunden begeistern, die den Komfort und exzellenten Service insbesondere auf kleinen Schiffen schätzen. Gerade Expeditionskreuzfahrten vereinen alles, wonach sich viele Menschen derzeit sehnen: Weite und Ruhe, neue Erfahrungen und Abstand zu den aktuellen Ereignissen. Nach den langen Monaten ohne Kontakte endlich wieder Vorfreude auf eine außergewöhnliche Reise zu erleben, ist bei unseren Gästen deutlich spürbar. Es geht nicht vornehmlich darum, wieder reisen zu können, sondern lang gehegte Träume in Bezug auf besondere Momente zu erfüllen, sobald es wieder möglich ist. Das zeigt sich bei der Nachfrage und den teils langen Vorausbuchungen für Expeditionskreuzfahrten, die für Luxusreisende oft zu den Bucket-List-Erlebnissen gehören: Die grandiose Natur und die starke Kraft der Elemente in der Arktis, Antarktis oder anderen Expeditionsregionen zu erleben und dabei individuellen Service auf allerhöchstem Niveau zu genießen sowie den eigenen Horizont um neue Gänsehaut–Momente zu erweitern."

Henrike Dierken, Airtours Product Manager Kreuzfahrten

Fazit

Ja, es sind viele neue Schiffe, die die gleichen Fahrtgebiete –und das häufig auch noch zur selben Zeit – befahren wollen. Expeditionskreuzfahrten sind definitiv ein Trend, der durch die Pandemie noch befeuert wird. Denn die Schiffe sind klein, es sind wenig Passagiere an Bord und es gibt viel Platz – das alles sind Dinge, die auch mit Abflauen der Pandemie wichtig sein werden. Und der Reisehunger der Luxuskunden ist groß, die zunehmenden Kapazitäten zahlen also darauf ein. Ein weiterer Punkt, der den betuchten Reisenden die Expeditionskreuzfahrten schmackhaft machen könnte, ist die große Wertschätzung des Umweltschutzes: Beim Bau der neuen Schiffe wurde bei allen Reedereien größtes Augenmerk auf nachhaltige Systeme an Bord und eine möglichst geringe Umweltbelastung gelegt. Faktoren, die bei der Reiseentscheidung der Luxuskunden zunehmend eine Rolle spielen.

Text: Cathrin Lührs